Mehr schnuppern in der Stadt

Wer sich mit frischem Gemüse und anderen Lebensmitteln versorgen will, wird unter anderem auf den Saarbrücker Wochenmärkten fündig. Die gibt es in vielen Stadtteilen. Reicht das Angebot nicht aus?

Stefan Ochs ist Architektur-Professor. Wer bei ihm an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) studiert, muss aber damit rechnen, auch mal hinter einer Ladentheke zu stehen oder einen Wochenmarkt zu organisieren. Vergangene Woche haben Studierende zum Beispiel für ein paar Tage eine Milchbar in der Eisenbahnstraße eröffnet, um dort über Quartiersentwicklung zu reden.

Für Donnerstag, 17. Juli, planen Stefan Ochs und einige seiner Studierenden nun einen Nacht-Markt im Nauwieser Viertel. Zwischen 17 und 22 Uhr soll es auf dem Max-Ophüls-Platz vor allem regionale Produkte geben.

"Urbane Intervention - Plan B" heißt das Studienprojekt, bei dem die angehenden Architekten sich mit den Wochenmärkten beschäftigt haben. Das Ergebnis: Nicht jeder Wochenmarkt werde "so gut angenommen, wie man das vielleicht gerne hätte", sagt der Professor.

"Nach analytischer Betrachtung vieler Wochenmärkte im Saarland und darüber hinaus haben wir vielerlei Gründe dafür festmachen können. Selten ist es das Angebot, oftmals eher der Ort und auch die Uhrzeit, die die jüngere Generation nicht auf die Märkte lockt", erklärt Ochs. Die Kundschaft der Wochenmärkte komme "in der Regel aus der Generation 60 plus".

Das sei auch nicht verwunderlich, denn "wer hat schon wochentags zwischen 7 und 13 Zeit, einkaufen zu gehen?", fragen sich die Studierenden. "Selbst samstagmorgens sind nicht alle Menschen bereit, frisch und vergnügt auf den Markt zu gehen, ausschlafen ist angesagt", weiß der Professor.

Ein Nacht-Markt am Werktag spreche möglicherweise die jüngere Generation und Arbeitnehmer an, vermutet Ochs. Er sieht in diesem Markt "ein soziales Experiment im öffentlichen Raum".

Peter Strobel ist Vorsitzender der CDU-Stadtratsfraktion und Landtagsabgeordneter. Er will auch neue Markt-Möglichkeiten in Saarbrücken, allerdings kein Experiment, sondern eine Markthalle nach französischem Vorbild. Die hat er im Wahlkampf gefordert, daran will er nun weiterarbeiten. Es gebe "Interessenten aus dem Einzelhandel", die die Idee unterstützen, sagt Strobel. Im Herbst will er alle am Thema Interessierten an einen Tisch bringen. Bis dahin will er mögliche Standorte für eine solche Markthalle, unter anderem den Beethovenplatz, prüfen.

Zum Thema:

Auf einen BlickDie Wochenmärkte in Saarbrücken: Montag: St. Johanner Markt. Dienstag: Ludwigsplatz, Hambacher Platz, Dudweiler. Mittwoch: St. Johanner Markt, Burbacher Markt, Jägersfreude. Donnerstag: Ludwigsplatz, St. Arnual, Rodenhof, Futterstraße. Freitag: St. Johanner Markt, Hambacher Platz, Dudweiler. Samstag: Ludwigsplatz, Burbacher Markt, Bauernmarkt auf dem St. Johanner Markt. red