Mehr Revolution statt Resolution

Wenn es stimmt, dass Revolutionen ihre Kinder fressen, dann gibt es zumindest eine Sache, wegen der sich unsere 63 Saarbrücker Stadtverordneten keine Sorgen machen müssen. Sie stehen nicht auf der Speisekarte.

 Martin Rolshausen beschreibt Saarbrücken für Fortgeschrittene.

Martin Rolshausen beschreibt Saarbrücken für Fortgeschrittene.

Foto: Robby Lorenz

Denn die Frauen und Männer, die die Geschicke unserer Stadt lenken, setzen auf Resolution statt auf Revolution.

Resolution ist ein kurze Zusammenfassung von "Gut, dass wir mal darüber geredet haben". In dieser Disziplin ist der Stadtrat ziemlich gut.

So heldenhaft die Resolutionen unseres Stadtrats aber auch sein mögen, ihnen folgt der Sachbearbeiter-Dreikampf: Knicken, Lochen, Abheften. Mit Hilfe des Computers ist das inzwischen nicht mehr so brachial wie früher, aber es ist traurig, aber wahr: Die Franzosen haben nach der Aufforderung unseres Rates, das Atomkraftwerk Cattenom abzuschalten, einst ebenso wenig den Atem angehalten, wie zum Beispiel die Telekom nach dem Hinweis, dass sie gefälligst in Saarbrücken keine Arbeitsplätze zu streichen hat.

Als nun die Deutsche Bahn angekündigt hat, dass von und nach Saarbrücken künftig weniger Schnell-, sondern mehr Bummelzüge fahren sollen, haben da unsere Stadtverordneten aus der resolutionären Erfolglosigkeit gelernt? Haben sie auf Revolution umgeschaltet? Sich im Hauptbahnhof auf den Gleisen angekettet und gedroht, dazubleiben, bis die Bahn sich eines Besseren besinnt? Haben sie zumindest ihren Parteien, die in Berlin die Geschicke der Verkehrspolitik steuern, mit Austritt gedroht? Nein, sie haben "böse Bahn, nimm das!" gedacht - und eine "Resolution zum Erhalt und Ausbau der Bahn-Fernverbindungen von Saarbrücken" beschlossen.

Ja, sie könnten etwas mutiger und kreativer sein, unsere Stadtverordneten. Aber allen, die jetzt meinen, dass unsere Politiker feige Papiertiger sind, gebe ich zu bedenken: Ja, mehr Revolution statt Resolution wäre klasse, aber Revolutionen haben Nebenwirkungen , nach denen man nicht den Arzt oder Apotheker fragen kann. "Die Revolution frisst ihre eigenen Kinder", war zum Beispiel der letzte Satz im Leben des französischen Revolutionärs Pierre Vergniaud. Kurz darauf rollte sein Kopf. Vielleicht ruft ja mal ein Stadtverordneter: "Die Resolution langweilt ihre Kinder zu Tode", bevor er ermattet mit dem Kopf auf die Tischplatte schlägt.

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