Mehr Klinikbetten für alte Patienten

109 Betten und teilstationäre Plätze für geriatrische Patienten bekommen die Krankenhäuser im Saarland zusätzlich. Ziel ist eine wohnortnahe Versorgung. Doch die Krankenkassen halten die Pläne für teuer und unnötig.

Wenn alte Menschen krank werden und einer stationären Behandlung bedürfen, kann das für die Krankenhäuser schnell zur Herausforderung werden. Denn häufig leiden diese Menschen an gleich mehreren Krankheiten, sie sind "multimorbide". Und da es immer mehr ältere Menschen gibt, hat das für die Krankenhausplanung zuständige Gesundheitsministerium reagiert: Die Zahl der Betten und teilstationären Plätze für die Behandlung alter Menschen (Geriatrie ) wird aufgestockt, so sieht es die dritte Fortschreibung des aktuellen Krankenhausplans vor. Dieser Plan, den ein Gremium aus Krankenhäusern, Wohlfahrtsverbänden, Krankenkassen und weiteren Verbänden gestern absegnete, soll am 21. Juli vom Kabinett beschlossen werden, wie Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU ) sagte. Allerdings haben die Kassen Vorbehalte.

Derzeit werden im Saarland 163 Betten und teilstationäre Plätze vorgehalten: in den SHG-Kliniken auf dem Saarbrücker Sonnenberg, im St. Nikolaus-Hospital in Wallerfangen und in der DRK-Klinik in Mettlach. Nun sollen 109 Betten und Plätze hinzukommen. Ein Teil der zusätzlichen Geriatrie-Betten kommt zustande, indem Betten anderer Fachrichtungen, etwa aus der Chirurgie, umgewidmet werden. Unter dem Strich soll sich die Gesamtzahl der Betten und Plätze in den 21 Kliniken durch die Geriatrie-Aufstockung um 60 auf 6751 erhöhen.

Künftig soll es im Land sechs geriatrische Zentren geben: Neben den drei genannten Krankenhäusern bekommen das Caritas-Klinikum Saarbrücken , das Kreiskrankenhaus St. Ingbert und das Marienkrankenhaus St. Wendel je eine neue Geriatrie-Abteilung. Bachmann sagte, damit werde sichergestellt, "dass hochbetagte Patientinnen und Patienten im Saarland wohnortnah und für sie gut erreichbar versorgt werden können". Die Krankenhausgesellschaft lobte, dass die Versorgungslücke erkannt worden sei.

Die Krankenkassen halten die zusätzlichen Kapazitäten für überflüssig und teuer. Das Saarland habe nach Hamburg und Berlin schon heute die höchste Geriatrie-Bettenzahl in ganz Deutschland, wenn man neben der Akut- auch die Reha-Versorgung berücksichtige, sagt Axel Mittelbach vom Verband der Ersatzkassen (vdek) im Saarland. Auf 10 000 Einwohner über 65 Jahre kämen bundesweit 13,9 Betten , im Saarland seien es 23,7. "Wenn wir diese sehr gute Versorgung noch weiter aufstocken, nutzt das nicht, sondern kostet nur Geld", erklärt Mittelbach. IKK-Südwest-Geschäftsführer Lutz Hager beklagte zudem, der Aspekt der Qualität sei außen vorgeblieben. Die gesetzlichen Grundlagen dafür würden erst in diesem Jahr auf Bundesebene geschaffen. Daher, so Hager, hätte man besser abwarten sollen, "um eine Überprüfung der Bettenanzahl direkt mit Qualitätskriterien zu verknüpfen".

Auf dem Ärzte-Markt sind ausgebildete geriatrische Fachärzte derzeit noch "Mangelware", wie IKK und Krankenhausgesellschaft bestätigen. Ursprünglich war vorgesehen, dass jedes Geriatrie-Zentrum drei Geriater vorhalten muss, um eine 24-stündige fachärztliche Rufbereitschaft zu gewährleisten. Nun wird ein dritter Geriater empfohlen, aber nicht mehr zwingend vorgeschrieben - was die Krankenhausgesellschaft umgehend begrüßte.