Mehr Französisch an Grundschulen

Vor einem Jahr hat die Landesregierung ihre Frankreich-Strategie vorgestellt. Eine neue Studie zeigt, dass Schüler, Eltern und Lehrer den frühen Französisch-Unterricht an Grundschulen gut annehmen.

Das Saarland will schrittweise in allen 162 Grundschulen den Französisch-Unterricht ab der ersten Klasse einführen. Das teilte gestern Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD ) mit. Bisher bieten dies 42 Grundschulen an. An allen Grundschulen gibt es bereits verpflichtenden Französisch-Unterricht in den Klassen drei und vier. Auf einen Zeitrahmen wollte sich der Minister nicht festlegen: "Wichtiger ist es, die Qualität des Unterrichts zu garantieren."

Schüler , Eltern und Lehrer begrüßen insgesamt den frühen Französisch-Unterricht an Grundschulen . Das zeigt eine neue nicht-repräsentative Studie der Saar-Universität, die Commerçon gestern mit Claudia Polzin-Haumann, Professorin für romanische Sprachwissenschaft, vorstellte. Befragt wurden Schüler , Eltern und Lehrer an den 42 Grundschulen , die das erste internationale Französisch-Diplom für Kinder, Delf Prim, anbieten. Im Schuljahr 2013/2014 hätten 1690 Grundschüler in der dritten und vierten Klasse Delf Prim absolviert, 92 Prozent von ihnen mit Erfolg, berichtete Commerçon. Er sieht in dem Bericht "eine sehr gute Grundlage für die Weiterarbeit im Zuge der Frankreich-Strategie". Am 22. Januar 2014 hatte die Landesregierung das Ziel verkündet, dass Französisch bis 2030 mit Deutsch gleichberechtigte Sprache wird.

Nur vereinzelt hätten Eltern geäußert, dass sie einen frühen Englisch-Unterricht bevorzugen würden. Lehrer gaben an, das Zertifikat habe eine motivierende Wirkung für die Kinder, allerdings entstehe für die Schulen ein erhöhter Organisationsaufwand. "Lehrer haben eine Schlüsselrolle. Sie bestimmen mit ihrer Persönlichkeit und ihrem Auftreten und methodischen Vorgehen nicht nur den Französisch-Unterricht, sondern auch das Bild von Frankreich, seiner Sprache und seinen Bewohnern", betonte Polzin-Haumann. Neben einer Ausweitung des Französisch-Unterrichts ab Klasse eins an allen Grundschulen und mehr bilingualen Grundschulen sprach sie sich für eine Entwicklung eines Gesamtkonzepts für Französisch in der Grundschule aus. Standards für alle Grundschulen auch ohne Delf Prim fordert auch der Saarländische Lehrerinnen- und Lehrerverband (SLLV). "Die Grundschulen haben andere Aufgaben, als Zertifikate auszustellen", sagte die SLLV-Vorsitzende Lisa Brausch. "Es ist wichtiger, den Schülern Freunde an der Sprache zu vermitteln." Oftmals fehle dafür jedoch das Personal. Nicht an jedem Standort gebe es ausreichend französischsprachige Lehrkräfte, räumt Commerçon ein. "Eine kleine Zahl solcher Lehrkräfte bekommen wir im Rahmen des Lehreraustauschs zwischen dem Saarland und dem Département Moselle, aber wir werden weiter hart daran arbeiten müssen, dass sich mehr französische Grundschullehrkräfte für den Dienst in saarländischen Grundschulen bewerben und auch eingestellt werden können." Eine Ausschreibung werde derzeit vorbereitet.

Darüber hinaus werde zurzeit geprüft, ob auch die flächendeckenden Sprachtests für Englisch und Französisch in der 6. Klasse der Gemeinschaftsschulen wissenschaftlich begleitet werden sollen. Daraus könnten Verbesserungsmöglichkeiten abgeleitet werden.