„Marias“ Sohn hat Spaß bei den Proben

Was machen etwa 30 gut gelaunte, junge Menschen sonntags bei Badewetter in der Universität? Darauf gibt es eine einfache Antwort: Sie singen! Die Teilnehmer des Musicals „Jesus Christ Superstar“, aufgeführt vom IntensivTheater, trafen sich zur ersten Probe.

Normalerweise sitzen hier Professoren vor ihren Studenten und halten Vorlesungen über musikwissenschaftliche Themen. Heute ist das anders: Ganz vorne sitzt Timo Mund, musikalischer Leiter des Musical-Projektes des IntensivTheaters, am Flügel. Davor in einem großen Stuhlkreis etwa 30 Sängerinnen und Sänger. Eine konzentrierte, aber lockere Atmosphäre herrscht in dem kahlen Raum. "Bei ,Sweeney Todd' hätten wir so einen Gesamtdurchlauf nie machen können. ,Jesus Christ' ist ein bisschen einfacher, und wir waren strenger beim Casting", erzählt Tim Ganter, der Initiator des IntensivTheaters, zufrieden.

Seine vierte Produktion bringt der 27-Jährige damit nun auf die Bühne. Jenny Theobald, künstlerische Intendantin, und er müssen kaum eingreifen in die Probenarbeit an diesem Sonntag. Sie verfolgen aufmerksam und gespannt mit Blick auf die Partitur, den fast reibungslosen Durchlauf. Unfassbare Stimmgewalten tun sich unter den Sängern hervor. Vor allem in den Hauptrollen: Maria, gesungen von Mirijam Kohr, beispielsweise: Neben ihrem Beruf und ihrer Rolle beim Musical ist sie außerdem junge Mutter. "Ich bin vor allem beeindruckt von den Stimmen der männlichen Sänger in den Hauptrollen. Die machen das ,nur' als Hobby oder semiprofessionell", sagt sie ungläubig. Mirijam hat ihren kleinen Sohn heute mitgebracht. Er ist kaum zu halten. Bei einigen Passagen rennt er in die Mitte des Kreises, tanzt und versucht mitzubrabbeln. Bei anderen liegt er in ihren Armen und hört einfach nur zu.

So wirkt der Vormittag wie ein großes Familientreffen. Und noch ist es kaum vorstellbar, wie im Dezember das Musical mit Orchester, Bühnenbild und Choreografie in der Gebläsehalle in Neunkirchen auf der Bühne aussehen wird. Aber Jennifer Theobald und Tim Ganter haben mit dem Musical "Sweeney Todd" schon einmal bewiesen, dass es möglich ist, mit vielen begeisterten Leuten und genügend Leidenschaft solch ein großes Projekt auf die Bühne zu bringen. Mit jeder Produktion steigern sich die Qualität und die Professionalität. Im Vordergrund steht aber immer noch die Freude an der Entstehung einer eigenen Musicalaufführung.

Der Förderverein IntensivTheater e.V. gründete sich gleichzeitig mit dem Beginn der Proben. Sinn und Zweck ist es, die kulturelle Vielfalt im Saarland und in Rheinland-Pfalz zu fördern. Das geht einher mit sozialem Engagement, welches durch das sogenannte Education-Programm repräsentiert wird. Ein theaterpädagogisches Konzept mit Workshops für Schulklassen, Gruppen geflüchteter Menschen und andere gemeinnützige Einrichtungen.

Weitere Infos unter

www.intensivtheater.de oder beim Eröffnungsfest des Vereins im Deutsch-Französischen Garten am 24. September, von 12 bis 17 Uhr.