Mann aus bestem Opernhaus

Nach Dresden, Frankfurt und Oslo führt Johannes Erath jetzt in Saarbrücken Regie. Premiere mit dem „Tannhäuser“ ist an Pfingsten.

Wenn am Pfingstsonntag die Oper "Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg" in der Inszenierung von Johannes Erath am Saarländischen Staatstheater (SST) Premiere feiert, dann ist einer der begehrtesten Opernregisseure Deutschlands in Saarbrücken zu Gast. Johannes Erath arbeitete bereits an Theatern in ganz Europa, an den Opern Frankfurt und Graz, der Hamburgischen Staatsoper, der Semperoper Dresden, der Norwegischen Oper Oslo, der Bayrischen Staatsoper München oder den Bregenzer Festspielen. Darüber hinaus wurden seine Regiearbeiten preisgekrönt, so erhielt er 2008 den Götz-Friedrich-Preis und 2016 den Österreichischen Musiktheaterpreis.

Jedoch lernte Johannes Erath ursprünglich etwas ganz anderes. "Es ist ein bisschen absurd", beginnt er dann auch das Gespräch, "denn bis zum Abitur war ich vielleicht nur zwei oder drei Mal in der Oper." Johannes Erath, geboren in Rottweil, war jedoch früh fasziniert von Musik und Theater. "Ich habe als Kind schon ein Puppentheater gebaut", erinnert er sich. "Und nachdem ich etwas anders als andere Kinder auf dem Klavier herumgeklimpert habe, habe ich mir als Instrument die Geige ausgesucht." Die Geige wurde seine Leidenschaft, er wusste schon früh, dass für ihn kein anderer Beruf als der des Orchestermusikers infrage kam. "Und zwar in Opernorchestern", legte er sich fest.

Nach Abitur und Zivildienst geht der junge Mann 1995 zum Vorspielen nach Wien und wird sofort an der Wiener Musikhochschule angenommen. Bereits während seines Studiums beginnt er, im Orchester der Wiener Volksoper zu spielen. Und er erlebt, dass er bereits als Student all das erreicht, wovon er einst geträumt hat. "Ich habe zum Beispiel Brahms' 4. Sinfonie unter Giuseppe Sinopoli beim Wiener Musikverein gespielt. Aber irgendwann hatte ich das Gefühl, das alles war nicht genug", erzählt Johannes Erath. Er wollte die Energie nicht mehr nur in die Fingerkuppen leiten. Und so machte er im Alter von 25 Jahren einen großen Schnitt und begann etwas anderes. "Zuerst ging ich nach Paris und habe Französisch gelernt. Und dort machte ich meine erste Hospitanz am Théâtre du Châtelet." Frankreich blieb dann auch lange sein Wohnsitz, erst im Jahr 2010 zog er nach Berlin. In Paris erhielt er den Ratschlag, zu Willy Decker, dem deutschen Opernregisseur, zu gehen. Bei ihm war Johannes Erath zuerst Hospitant und wurde dann sehr schnell dessen persönlicher Assistent. "Das war eine tolle Zeit. Denn Willy Decker hat an vielen großen Theaterhäusern gearbeitet. Darunter war auch die berühmte Inszenierung von "La Traviata" bei den Salzburger Festspielen mit Anna Netrebko und Rolando Villazón".

Die Zeit an der Seite von Willy Decker und anderen Opernregisseuren war Johannes Eraths zweite Ausbildung. Dort lernte er, was es zum Opernregisseur braucht. "Ich war dort, wo es passiert", sagt er dazu. Die ersten eigenen Inszenierungen ließen nicht mehr lange auf sich warten. "Eines Tages rief mich der Intendant der Frankfurter Oper, Bernd Loebe, an und fragte mich, ob ich bei ihm Angels in America' inszenieren wollte. Ich wurde von ihm engagiert", erzählt er und freut sich noch heute darüber. Denn seither arbeitet Johannes Erath regelmäßig in Frankfurt, einem der renommiertesten Opernhäuser Deutschlands. "Es ist ein großer Luxus. Ich fühle mich privilegiert, weil ich so viele Engagements habe, und schon weiß, was ich im Jahr 2020 mache", sagt er.

Für den "Tannhäuser" am SST wurde er im letzten Frühjahr engagiert, als Brigitte Heusinger noch Operndirektorin war. Und er ist nicht allein nach Saarbrücken gekommen, er hat sein Team mitgebracht, darunter den Bühnenbildner Julius Semmelmann, sowie als Kostümbildner den berühmten Modedesigner Christian Lacroix. Auf die Arbeit hier hat sich Johannes Erath sehr gefreut. "Es gibt verschiedene Fassungen des ‚Tannhäuser'. Wir zeigen hier, nah zu Frankreich, die Pariser Fassung, mit einem french touch", erklärt er. Von der Inszenierung, dem Bühnenbild oder den Kostümen möchte er nicht viel verraten. "Mir liegt daran, Assoziationen zu wecken. Der Abend folgt einer Traumlogik. Tannhäusers erster Satz lautet ‚Zu viel! Zu viel! O dass ich nun erwachte!'. Ich möchte nicht erklären, sondern dass die Zuschauer etwas empfinden."

Zum Thema:

"Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg". Oper in drei Akten von Richard Wagner, Inszenierung von Johannes Erath. Premiere am Sonntag, 4. Juni, um 17 Uhr. Weitere Aufführungen: Samstag, 10. Juni, Donnerstag, 15. Juni, Freitag, 23. Juni, und Freitag, 30. Juni. Weitere Informationen unter: www.staatstheater.saarland