Manikürte Fingernägel sind passé

Die Herren und die Jugend spielen schon in der Football-Bundesliga – nun sollen die Frauen der Saarland Hurricanes durchstarten. Vor einer Woche fand das erste Training mit etwa 60 Interessierten statt. 2016 sollen die Lady Canes in der 2. Bundesliga einsteigen.

Schon an der Parkplatzsituation vor dem Sportgelände am Saarbrücker Matzenberg ist zu erkennen, dass es nicht gerade wenige sind, die am ersten Probetraining der neu gegründeten Damen-Mannschaft der Saarland Hurricanes teilnehmen. Zu Beginn der ersten Einheit sind es am vergangenen Montagabend etwa 60 Frauen , die sich bei den "Lady Canes" im American Football probieren wollen. Die Kennzeichen ihrer Autos verraten, dass das Einzugsgebiet weit über die Stadtgrenzen reicht: Neben Saarbrücker sind Saarlouiser, Neunkircher, Völklinger und Trierer Nummern zu sehen.

"Seit knapp drei Wochen konnten sich Interessierte im Internet über Facebook bei uns anmelden. Mit so einem großen Zulauf haben wir aber absolut nicht gerechnet", erklärt Vorstandsmitglied Philipp Lorentz. Auch Clubpräsident Tobias Bagusche zeigt sich "überwältigt". Mannschaftsmanagerin Diana Lion drückt es anders aus: "Wir haben wohl für viele Frauen eine Lücke entdeckt, die gerne einen Mannschaftssport machen würden, den richtigen aber noch nicht gefunden haben. Ich glaube, dass die Tatsache, dass hier alle bei null anfangen, viele angelockt hat."
Mit blauen Flecken ist zu rechnen

Nach einer kurzen Einführung, in der die Trainer Benedikt Untersteller und Kevin Michel - beide Bundesliga-Spieler - die Regeln des Sports erklären, geht es für die Spielerinnen auf das Feld. Helme und Körperschutz bleiben außen vor. "Für Neulinge ist das alles noch ein bisschen zu gefährlich. Tacklings werden erst trainiert, wenn gewisse Grundlagen vorhanden sind", erklärt Lorentz. "Danach müssen die Mädels aber mit blauen Flecken rechnen", sagt Lion schmunzelnd, "manikürte Fingernägel können sie dann vergessen".

Sofern den Lady Canes genügend Spielerinnen erhalten bleiben, soll die Mannschaft im Frühjahr 2016 in den Liga-Betrieb einsteigen - in der 2. Bundesliga. Bis dahin wolle man hart trainieren und über Freundschaftspartien Spielpraxis sammeln, sagen die Verantwortlichen des Vereins. Mittel- bis langfristig sei der Weg in die Bundesliga das Ziel.

Um eine schlagkräftige Mannschaft auf die Beine zu stellen, sind Frauen ab 16 Jahren eingeladen, sich die Sportart anzuschauen. "Bei uns ist nicht die Statur oder die Größe entscheidend, da brauchen wir für die unterschiedlichen Positionen sowieso alle Typen. Vielmehr kommt es bei uns auf Sportsgeist, Mut und Herz an", erklärt Mannschaftsmanagerin Lion. Für Lorentz ist American Football schlichtweg der tollste Mannschaftssport der Welt: "Durch die Größe des Kaders werden Werte vermittelt, die in anderen Sportarten vielleicht nicht so da sind."

Nach der ersten Trainingseinheit sind einige Spielerinnen sichtlich erschöpft. Nicht so die 29 Jahre alte St. Ingberterin Janine Jung: "Ich bin generell sportbegeistert. Und das Training gefällt mir sehr. Durch meine Tätigkeit bei der Berufsfeuerwehr bin ich einiges gewohnt. Ich glaube aber, dass es noch härter wird." Übrigens: Männliche Cheerleader sind für die Mannschaft der Lady Canes nicht vorgesehen.

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