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„Manchmal muss man eine Nervensäge sein“

Bianca Bienmüller überprüft in der Caritasklinik ein Mammografiegerät auf hygienische Mängel.
Bianca Bienmüller überprüft in der Caritasklinik ein Mammografiegerät auf hygienische Mängel. FOTO: Iris Maurer
Saarbrücken. Wer denkt schon gern ans Krankenhaus – solange er gesund ist? Hauptsache, das Krankenhaus ist da, und wir fühlen uns sicher, weil für den Notfall alles bereitsteht: Geräte und vor allem hilfsbereite Menschen. Genau um diese Menschen geht es in unserer Serie „Arbeitsplatz Krankenhaus“. Wir stellen die vor, die uns helfen, falls uns das Glück verlässt. Heute: Bianca Bienmüller. Gerrit Scherer

Bianca Bienmüller geht im Foyer der Caritasklinik hin und her. Sie richtet den Blick an die Decke, danach Richtung Eingangstür. Dann wendet sie sich dem Desinfektionsmittelspender zu. Sie nimmt ihn genau unter die Lupe, drückt auf den Hebel. "Funktioniert schon mal", sagt sie und prüft dabei, ob Teile der Düse verstopft sind. Ist dies der Fall, können sich dort Keime und Bakterien bilden, erklärt Bienmüller. Rundgänge wie dieser gehören zu ihren Aufgaben als Hygienemanagerin der Caritasklinik.


Sie ist die einzige im Saarland, bundesweit haben bislang 23 Personen den neuen Studiengang absolviert. Als Hygienemanagerin ist Bienmüller die Verbindung zwischen der Geschäftsführung der beiden Caritas-Standorte und den Mitarbeitern. "Die Verhütung von Krankheiten" sei das Ziel aller Hygienemaßnahmen. Bienmüller will deshalb vor allem gefürchteten Krankenhauskeimen den Garaus machen, um Patienten zu schützen. Hierzu entwirft sie Hygienekonzepte, erstellt Statistiken und bildet ihre Kollegen weiter. Außerdem organisiert sie Projekttage, zum Beispiel zur Handdesinfektion. Dann wird im Foyer der Caritasklinik ein Spender mit Markierflüssigkeit aufgestellt, mit der Patienten , Besucher und Mitarbeiter kontrollieren können, wie gründlich sie sich die Hände waschen.

In Stichproben kontrolliert Bienmüller auch den Zustand der Räume. "Hygiene ist mehr als nur Sauberkeit", ist sie überzeugt. Sie untersucht die Räume zwar auf ordentliche Reinigung, achtet aber auch darauf, dass Vorhänge, Tapeten und Möbel intakt sind und der Abfall ordnungsgemäß entsorgt wurde. "Die Patienten sollen sich hier natürlich auch wohlfühlen", sagt die Hygienemanagerin. Ihre Kollegen weist Bienmüller immer wieder auf Hygienevorschriften hin, zum Beispiel darauf, dass der Arztkittel nicht zum Essen in der Cafeteria getragen werden soll. "Manchmal muss man dabei auch eine Nervensäge sein", gesteht die 53-Jährige. Eine Reinlichkeitsfanatikerin sei sie aber nicht. Zu Hause hält sie einen Hund, mehrere Hühner und sogar Laufenten. "Aber natürlich wird ihr Stall regelmäßig gereinigt und auch desinfiziert", gibt Bienmüller zu.



Beruflich hat sie einen langen Weg hinter sich. Auf die Ausbildung zur Krankenschwester folgte eine Weiterbildung zur Hygienefachkraft und schließlich das dreijährige Fernstudium. "Man muss die Praxis kennen, um in der Theorie mitreden zu können", meint sie. Es gebe viele Vorschriften, die in der Theorie selbstverständlich seien, aber in der alltäglichen Praxis untergingen.

Regelungen, erklärt Bienmüller, müssten deshalb im Dialog entwickelt werden. Deshalb wünscht sie sich, dass Hygienemanager fester Bestandteil des Gesundheitssystems werden und die Aufsicht und Koordination über mehrere Häuser übernehmen. Darüber hat sie auch ihre Abschlussarbeit an der Uni geschrieben und setzt sich weiter dafür ein - über ihre Klinik hinaus.