„Man muss die Leute begeistern“

Plötzlich holt Kalibo plötzlich einen 15 Zentimeter langen Nagel aus der Tasche, erzählt, dass er gleich einen uralten Zaubertrick vorführt, und schlägt sich dann, mithilfe eines Löffels, den Nagel in sein Nasenloch. „Ein Magier versucht Dinge darzustellen, die unmöglich sind.

Und genau das tue ich", sagt Kalibo, fügt aber gleich hinzu: "Ich bin nichts Besonderes, ich kann nur etwas Besonderes."

Kalibo, in dessen Führerschein der Name Kai Oliver Borchers steht, kann in der Tat etwas Besonderes. Er kann Menschen in Staunen versetzen, wie es sich für einen Zauberkünstler nun mal gehört. Dass der 36-Jährige heute in der ganzen Welt unterwegs ist und Menschen mit seiner Kunst begeistert, liegt im Grunde nur daran, dass er mit 13 "zum Skateboarden zu unsportlich" war. Also musste was anderes her, um für Aufmerksamkeit zur sorgen. Eher aus Zufall landete ein Buch über Zauberei in seinen Händen. "Das hat mich damals so fasziniert, dass ich mir noch am gleichen Tag ein weiteres Buch über Zauberei gekauft habe", erzählt Kalibo. Viel Taschengeld sei damals für Zauberequipment draufgegangen, das der gebürtige Saarbrücker bei einem Hamburger Hersteller für Zaubergeräte bestellte. Kurz drauf folgten die ersten Auftritte vor Publikum. "Ich hab Freunde und Familie genervt", sagt Borchers und muss lachen. Das "Nerven" hat sich allerdings bezahlt gemacht. Seine Dinnershow "Kalibos kriminalmagischer Salon" ist stets ausverkauft. Karten für seine Comedy-Show "Kann man davon leben?" sind ebenfalls begehrt. Und nicht zuletzt wurde auch das Fernsehen auf den sympathischen Typen mit dem "Catweazel-Bart" aufmerksam.

In drei Staffeln der ARD-Dokuserie "Verrückt nach Meer" konnten die Zuschauer mit Kalibo über die Weltmeere schippern und hinter die Kulissen eines Kreuzfahrtschiffs blicken. Klar sei das ein Traumjob, sagt Kalibo, aber er müsse auch viel arbeiten, um den Passagieren immer etwas Neues zu bieten. Zwar sei es toll, so die Welt zu bereisen, aber: "Ich bin auch immer wieder froh, wenn ich zurück bin. Hier in Saarbrücken ist mein Lebensmittelpunkt. Hier bin ich zu Hause, hier ist meine Familie." Bodenständig sei er, weil er eben wisse, wo er herkommt. "Im Saarbrücker Zoo durfte ich damals erste Erfahrungen vor fremdem Publikum sammeln. Ehrensache, dass ich dort noch immer auftrete, wenn ich gefragt werde", betont Kalibo.

Show-Gigantismus à la David Copperfield ist in seinen Shows nicht zu erwarten. "Es gibt Zauberer, die mit vielen Apparaturen arbeiten. Aber das ist keine Zauberkunst", sagt er. Kunst sei es, die Leute mit Tricks zu begeistern, die auch schon vor 500 Jahren funktionierten. "Man muss die Überraschung ausnutzen, sodass der Zuschauer nicht über den Trick nachdenkt." Es ärgere ihn, wenn Kollegen ihr Programm lieblos abspulten. Langeweile ist bei Kalibo in nächster Zeit kaum zu erwarten. Er hat bereits neue Shows in der Mache. "Solange mich die Muse küsst, mangelt es nicht an Ideen", sagt er. Aber die Muse könne auch gerne mal die Wohnung putzen oder den Bürokram erledigen.