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Maman leitet auch ein Festival

Saarbrücken. Der Alltag der Französin Sylvie Hamard ist ungefähr das, was wir in Deutschland meinen, wenn wir über die Vereinbarkeit von Kindern und Karriere, über die neue Rolle des Mannes und die Herausforderungen einer globalisierten Welt reden. Sylvie Hamard ist Chefin des Saarbrücker Festivals Perspectives Von SZ-Redakteurin Susanne Brenner

Saarbrücken. Der Alltag der Französin Sylvie Hamard ist ungefähr das, was wir in Deutschland meinen, wenn wir über die Vereinbarkeit von Kindern und Karriere, über die neue Rolle des Mannes und die Herausforderungen einer globalisierten Welt reden. Sylvie Hamard ist Chefin des Saarbrücker Festivals Perspectives. Aber sie lebt mit ihrer Familie, Ehemann Laurent Brunner und den beiden Kindern Gauthier (7) und Isaure (4), in Versailles bei Paris.



Jetzt, in der heißen Vorbereitungsphase des Festivals bedeutet das: Montagsmorgens in aller Frühe nimmt Mama den ICE vom Pariser Gare de l'Est nach Saarbrücken Hauptbahnhof. Zwei Stunden später sitzt sie an ihrem Schreibtisch am Ludwigsplatz. Am Wochenende geht es wieder zurück. In den Vorbereitungsphasen kann sie natürlich auch viel von zu Hause arbeiten. Aber wenn das Festival erst mal läuft, kommt sie überhaupt nicht mehr heim.

In Versailles kümmert sich derweil der Vater darum, dass die Kinder morgens in die Schule bzw. die Vorschule Ecole Maternelle kommen. Am Nachmittag holt sie die Kinderfrau dort ab. In besonders arbeitsreichen Phasen kommt auch mal die Oma für ein paar Wochen.

"Wenn ich so viel weg bin wie jetzt, fällt es mir schon schwer", meint Sylvie Hamard, "am Montag wegzufahren ist hart". Vor allem für die Mama. Die Kinder sind von klein auf daran gewöhnt, dass ihre Mutter immer mal ein paar Tage ganz weg ist. Es ist für sie normal. Und sie kommt ja immer wieder. "Die beiden sind sehr selbstständig", erzählt Hamard. "Aber ich würde manchmal schon gern mehr Zeit mit ihnen haben".

Denn die Perspectives sind nicht ihr einziges Projekt. Sie ist Kuratorin fürs deutsche Programm des Kunstfestivals Transe in Mulhouse, hat gerade ein Projekt für das Festival "Lille 3000" in Nordfrankreich organisiert, geht als Tour-Managerin auf Gastspielreise mit der Berliner Schaubühne - und ist "nebenbei" auch noch zuständig für die Koordination der Konzerte in Schloss Versailles.

"Das ist der Fluch der Selbstständigkeit", seufzt sie. "Ich kann nicht einfach Nein sagen, wenn ich für eine Aufgabe angefragt werde. Ich weiß ja nicht, wie sicher die anderen Jobs sind." Nicht einmal, als sie vor ein paar Monaten schwer krank war, nahm sie sich eine Auszeit. "Es ging nicht, ich habe danach vier Wochen am Stück durchgearbeitet." Aber andererseits liebt sie natürlich "ihren" Stress. Die Aufgaben sind spannend, sie ist mit interessanten Menschen zusammen ("Hier in Saarbrücken haben wir ein super Team") und sie kommt rum. Mit der Schaubühne war sie gerade in Sevilla und Sarajevo.

Ohne einen "emanzipierten" Mann ist solch ein Job natürlich nicht zu machen. "Laurent unterstützt mich total, und er ist der beste Vater, den es gibt", schwärmt sie. "Wenn ich am Wochenende arbeiten muss, packt er die Kinder manchmal einfach ein und fährt mit ihnen in die Bretagne ans Meer."

Nun ist es aber durchaus nicht so, dass da ein Mann der Frau zuliebe auf die Karriere verzichten würde. Im Gegenteil: Laurent Brunner - als Leiter der Forbacher Nationalbühne Le Carreau und zeitweise auch der Perspectives in guter Erinnerung - hat einen hochkarätigen Posten. Er ist Chef des Kulturprogramms von Schloss Versailles. Gerade hat er eine Ausstellung mit Jeff Koons organisiert, und zu den Versailler Konzerten reisen die großen Stars an. "Er hat einen Traumjob", sagt seine Frau. "Aber er sagt auch schon mal einen Termin ab, wenn er seine Kinder nicht genug gesehen hat". Und er braucht für seine Karriere offenbar keine Frau, die ihm den Rücken freihält, wie man das hier zu Lande so gerne sieht. "Laurent braucht auch eine Frau, die was tut."

Auf einen Blick

Perspectives beim Quattropole-Fest: An diesem Samstag, 23. Mai, 11 Uhr, spielt auf Einladung von Perspectives die Fanfare Magic Dub Skatalog Allstars am St. Johanner Markt vor dem Vorverkaufsbüro im K4 Forum. Das Büro ist bis 21 Uhr geöffnet. An diesem Tag werden zwei Festival-Abos verlost. red

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