Mal eben so den Weltmeister besiegt

Die Idee musste schnell umgesetzt werden, als die Anfrage der finnischen Schul-Weltmeisterinnen zu einem Besuch an der Eliteschule des Mädchen- und Frauenfußballs im Saarland kam. Es hat geklappt. Vergangene Woche waren 18 Spielerinnen aus Finnland in Saarbrücken.

Zum Programm der Schul-Mannschaft aus Finnland, die eine Woche lang zu Gast im Saarland war, gehörte auch ein Besuch auf der Bowling-Bahn in Güdingen. Fotos: Wieck

Vor wenigen Wochen ging bei Lothar Altmeyer, Leiter des Sportzweigs des Gymnasiums am Saarbrücker Rotenbühl, eine Anfrage ein. Die "Pohjois-Haagan Yhteiskoulu" aus Helsinki in Finnland hatte Interesse an einer Kooperation mit der Eliteschule des Mädchen- und Frauenfußballs, zu der das Gymnasium am Rotenbühl gehört. Die Schule ist nicht irgendeine: Sie ist der Schul-Weltmeister im Mädchenfußball. Aber es gab ein Problem: Der einzig mögliche Zeitpunkt des Besuchs war Anfang November.

"Wir haben spontan reagiert und binnen weniger Tage ein Programm erstellt", erzählt Altmeyer. Ein Programm, das die Gäste eine Woche im Saarland von morgens bis abends beschäftigte. "Das hat er prima gemacht, gerade wenn man bedenkt, wie kurz die Zeit war", sagt Margret Kratz, Leiterin der Eliteschule des Mädchen- und Frauenfußballs im Saarland und Landestrainerin.

Die 18 Finninnen waren zum Beispiel auf der Bowling-Bahn in Güdingen. Unter sie haben sich zwei Saarbrücker Spielerinnen gemischt. Ein wenig spielt noch das Lächeln vom Nachmittag um ihre Lippen. 3:0 haben sie das erste von zwei Testspielen gewonnen gegen den Weltmeister. "Das war wirklich schön. Wir hatten uns viel vorgenommen und haben es gut umsetzen können", sagt die 15 Jahre alte Anja Ditscheid. Auch Kratz ist der Stolz anzusehen: "Das war ein überragendes Spiel für zwei Eliteschulen. Wir hatten Spielwitz, richtig hohes Tempo und trafen fast immer die richtigen Entscheidungen." Nach zehn Minuten hatte Marie Steimer die saarländische Mannschaft per Elfmeter in Führung gebracht, dann mit einem Volleyschuss auf 2:0 erhöht, ehe Jana Schwarz zum Endstand traf. Dass am Donnerstag auch das zweite Spiel an die Gastgeberinnen ging (4:3), machte die Woche auch aus sportlicher Sicht perfekt für die Saarländerinnen.

Aber es ging nicht nur um den sportlichen Vergleich, sondern auch um den der unterschiedlichen Arbeitsweisen in beiden Ländern. Und da können beide voneinander lernen. "Wenn ich sehe, dass sie mit einer Cheftrainerin, zwei Co-Trainern und einer Physiotherapeutin anreisen, dann ist da bei uns noch Potenzial", sagt Kratz. Ihre finnische Kollegin Païvi Lehto ist beeindruckt von den Bedingungen im Saarland: "Das ist wirklich hervorragend hier. Von Ländern wie Deutschland können wir nur lernen."

Und so denken die Beteiligten über dieses erste Treffen hinaus. So wie die Eliteschule am Rotenbühl schon verschiedene Kooperationen über das EU-Förderprogramm Comenius organisiert hatte, soll nun das Nachfolge-Programm Erasmus-Plus beantragt werden. "Wir würden gerne mit einer dritten Schule im angelsächsischen Bereich zusammenarbeiten. Die ,Pohjois-Haagan Yhteiskoulu' hat Kontakte nach Wales, vielleicht ergibt sich da etwas. Wenn nicht, würden wir uns im skandinavischen Bereich umsehen", sagt Altmeyer.

So kurzfristig diese Woche zu Stande kam, so langfristig könnte die Freundschaft sein, die daraus erwächst. Schließlich geht es nicht nur um das Kräftemessen, wie Emma Dörr vom Gymnasium am Rotenbühl sagt: "Ich glaube, von so etwas kann man immer was mitnehmen. Nicht nur sportlich." Fortsetzung also vermutlich im nächsten Jahr.