Lust auf Farbenfülle und Fantasie

Saarbrücken. "Hoppla, meine heile Welt bricht gerade zusammen", dachte die Künstlerin Julia Baur, als sie vor Jahren zum ersten Mal ein Kunst-Projekt an einer Burbacher Grundschule betreute. Viele Kinder waren kaum in der Lage, den Pinsel richtig zu halten

Saarbrücken. "Hoppla, meine heile Welt bricht gerade zusammen", dachte die Künstlerin Julia Baur, als sie vor Jahren zum ersten Mal ein Kunst-Projekt an einer Burbacher Grundschule betreute. Viele Kinder waren kaum in der Lage, den Pinsel richtig zu halten. Als sie sie in einer Tüte versteckte Styropor-Kügelchen tasten ließ, fehlten auch vielen deutschen Kindern die Worte, das Gefühlte zu beschreiben. "Da hatte ich meine Aufgabe gefunden". Seither macht die zweifache Mutter Julia Baur neben ihrer eigenen künstlerischen Arbeit Kunstprojekte in Schulen. Die Arbeit in Burbach kam durch das zwischenzeitlich leider insolvente MusE-Projekt der Jehudi-Menuin-Stiftung zustande. Aber auch unabhängig davon, bieten sie und andere Künstler solche Projekte an. Nur: Viele Schulen wissen das gar nicht.Deshalb haben sich nun auf Initiative des Bundesverbandes Bildender Künstler (BBK) eine Handvoll saarländischer Künstler zusammengeschlossen, die gerne mit Kindern arbeiten. Am Anfang stand eine pädagogische Schulung des BBK in Berlin, zu der Julia Baur eingeladen wurde. Das Gelernte sollte sie in einer Art Schneeball-System an interessierte Kollegen vor Ort weitergeben. Als Julia Baur das in Saarbrücken tat, traf sie auf Künstler-Kollegen, die oft schon lange Jahre Erfahrung in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen hatten - "nur wussten wir teils gar nicht voneinander". So entstand die Idee, sich besser zu präsentieren, damit vor allem auch die Schulen und Institutionen eine Anlaufstelle hätten.

Julia Baur hat nun ein dekoratives Faltblatt entworfen, das Lust macht auf Farbe, auf Kreativität und Unkalkulierbares. Sie selbst, Sabine Brosius, Tanja Holzer-Scheer, Brigitte Morsch, Jörg Munz und Christoph Rammacher stellen sich in Kurz-Porträts vor und bieten da so interessante Dinge an wie Lichtobjekte, Pop-Up Bücher oder gar essbare Porträts. Das Kultusministerium hat es übernommen, die Broschüren an die Schulen zu verschicken.

Was ist wichtig, wenn man mit Kindern Kunst macht? "Man muss Spaß haben am spontanen, unkalkulierbaren Verhalten der Kinder", sagt Julia Baur. Mit dem Unvorhersehbaren arbeiten, nicht erwarten, dass ein Tag genau so verläuft, wie geplant. Und vor allem: "Der eigene Ausdruck der Kinder ist wichtig, der ist einmalig", ergänzt ihr Künstler-Kollege Christoph Rammacher im SZ-Gespräch. Es soll nicht später 20, 30 Mal das gleiche Bild an der Klassenzimmer-Wand hängen. "Wir haben als Künstler da einen anderen Zugang als die Lehrer", sagt Rammacher. "Man muss Rahmenbedingungen schaffen, damit etwas entstehen kann", erläutert Julia Baur, "man muss Impulse setzen, damit etwas in Gang kommt, und dann muss man es aber auch mal laufen lassen".

In der Arbeit mit professionellen Künstlern könnten Kinder und Jugendliche lernen, auch das Unperfekte, das Risiko anzunehmen. "Ein Künstler muss sich immer neuem Material und neuen Techniken und damit dem möglichen Scheitern stellen", sagt Rammacher und verdeutlicht: "Es geht um Kreativität, es geht nicht darum so zu tun, als ob etwas Kunst wäre". Sonst würde da nur eine neue Generation von VHS-Künstlern gemacht, "die ein großes Ego haben, aber nur reproduzieren". Künstler in der Schule, das könne "erfrischend sein für Lehrer und Schüler".

Auf einen Blick

Die Broschüre "Kinder arbeiten mit Künstlern" ist erhältlich beim Landesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler, Karlstraße 1, 66111 Saarbrücken, Tel. (06 81) 37 56 29. Sie kann auch von der Internet-Seite des BBK-Saar heruntergeladen werden.

Sechs Künstler sind derzeit aufgeführt, es kommen aber weitere hinzu, deren Daten dann auf der Internet-Seite abgefragt werden können.

Das Honorar für eine Schulstunde beträgt je nach Aufwand ab 30 Euro pro Stunde. red

Julia Baur Fotos: Rauch
Christoph Rammacher

bbk-saarland.com