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Lothringer Entdeckungen

Die Place Stanislas in Nancy: In Klaus Bernardings neuem Buch „Lothringer Kostbarkeiten“ ist dem prachtvollen Ensemble ein Kapitel gewidmet. Foto: Office du Tourisme Nancy
Die Place Stanislas in Nancy: In Klaus Bernardings neuem Buch „Lothringer Kostbarkeiten“ ist dem prachtvollen Ensemble ein Kapitel gewidmet. Foto: Office du Tourisme Nancy FOTO: Office du Tourisme Nancy
Saarbrücken. Im Saarland und bei unseren Nachbarn erscheinen immer wieder bemerkenswerte Bücher. In loser Folge stellen wir solche Bände vor. Heute: ein Reisebuch zu Lothringen und ein Satirenband. Zwei unterschiedliche Werke zweier Autoren, die aber manches verbindet: Beide sind Jahrgang 1935 – und Klaus Bernarding wie auch Alfons Klein verknüpfen Geistreiches mit der Kunst zu unterhalten. Von SZ-RedakteurOliver Schwambach

Seine "Lothringer Passagen" sind quasi Pflichtlektüre, soll die Fahrt zu den Nachbarn mehr als bloß Großeinkauf im Cora und Essengehen beim Woll sein: Klaus Bernarding ist wohl einer der profundesten Lothringenkenner des Saarlandes. Und keiner schreibt so warmherzig über jenen Landstrich, der nicht zu Frankreichs ersten Adressen zählt. In vielerlei Hinsicht aber zu Unrecht. Sein neuer Reiseband "Lothringer Kostbarkeiten" (Conte, 280 Seiten, 19,90 Euro) jedenfalls ist ein unwiderstehliches Allez-Signal, Lothringen zu entdecken - keinesfalls im Geschwindschritt, sondern mit der Muße des Flaneurs.

Die im Titel annoncierten "Kostbarkeiten" könnten freilich irritieren, ist der aus Schmelz stammende Schriftsteller doch nicht allein an den augenfälligen Attraktivitäten interessiert wie etwa Nancys Prachtadresse, der Place Stanislas. Gewiss, auch der widmet Bernarding eines der 15 Kapitel. Aber er nimmt seine Leser auch mit zu den Festungsanlagen der Maginot-Linie, tief hinunter in ihre Bunker oder zum Denkmal in Bagneole-Bulgnéville, wo man an einem Ort vereint der Gefallenen des Ersten Weltkriegs, den Kämpfern der Résistance aber auch der Soldaten, die in Algerien zwischen 1954 und 1962 ihr Leben ließen, gedenkt. Bemerkenswert schon darum, weil Frankreich sich im Umgang mit dem Algerien-Krieg heute noch schwer tut.

Für Bernarding sind solche Ortsmarken aber lediglich Startpunkte: Fakten, Historie, Literatur, Philosophie, alles, was sich um einen solchen Ort rankt, nimmt er auf, spielt damit und macht sich seine Gedanken dazu. Stets lesenswert, oft auch mit erfrischenden Einsichten zu Lothringen und Frankreich. Gelegentlich will Bernarding wohl aber zu sehr Schriftsteller sein und vernachlässigt sein Amt als Reiseführer. Dann blühen die Arabesken, die er um seine "Kostbarkeiten" windet, üppig und wuchern auch mal undurchdringlich.

Schon mal beim Seniorennachmittag einer Pfarrei gewesen? Das sind ganz wunderbare Veranstaltungen. Auch wenn man aufpassen muss, wo man sich hinsetzt. Jedenfalls nicht neben Schmitts Lisa. Die redet "immer nur das Schlechteste" über die anderen. Obwohl die Schlechtredner ja die besseren Erzähler sind, wie Alfons Klein trefflich bemerkt.

Es sind solche alltäglichen Gelegenheiten wie der Kaffeeklatsch oder ein Vertreterbesuch, bei denen der St. Wendler Autor offenbar sehr genau hingehört und hingesehen hat und diese kleinen, amüsanten Unschärfen der Kommunikation liebevoll aufspießt. Komik wider Willen, das ungewollt Erheiternde zieht sich wie ein roter Faden durch sein Buch "Die Kuh der englischen Königin" (Geistkirch, 184 Seiten, 14,80 Euro), das Klein kürzlich veröffentlicht hat. Der promovierte Literaturwissenschaftler, der als Deutsch- und Lateinlehrer in St. Wendel aber auch in Spanien und Chile unterrichtete, geht da offenbar mit wachem Blick und wohl stets paratem Notizbuch durch die Welt, getrieben von der Lust, dem Alltag das Verwunderliche und Vergnügliche abzulauschen. Dies spitzt der dann Autor kunstvoll zu. Kein Wunder, dass für Klein da auch Zeitungen als Fundgrube taugen, wenn eine Schlagzeile etwa von "Kampfhunden im Vermittlungsausschuss" kündet. Letztere Meldung stand übrigens in dieser Zeitung; 2000 war's.