Liquid Penguin: Die Ohren des Publikums verführen

Sie gehören zu den wichtigsten und erfolgreichsten Performance-Künstlern hierzulande und sind ein Herzstück des Festivals Saarbrücker Sommermusik. Am morgigen Mittwoch nehmen Katharina Bihler und Stefan Scheib die Zuhörer mit zu einer Klangreise zum „Lake Vostok“.

Für ihre interaktive Klangperformance "Lake Vostok" im Rahmen der Saarbrücker Sommermusik kramen Katharina Bihler und Stefan Scheib, besser bekannt als Liquid Penguin Ensemble, allerlei haptische Schallaufzeichnungs-Medien der Vergangenheit hervor: Mit Hilfe von altertümlichen Tonbändern und Kassetten, wie sie noch vor wenigen Dekaden allgegenwärtig waren, will das Duo sich am morgigen Mittwoch, um 20 Uhr, in der Stadtgalerie auf die Spuren der fiktiven Bioakustikerin Jekaterina Andrejewna Kulikowa heften.

"Unser Publikum wird mit uns zusammen ein paar Jahrzehnte zurückversetzt, alles beginnt in den Sechzigern", erzählt Katharina Bihler. "Wir sind in einer Art Studio: Bandmaschinen, Kassettenrecorder, Mikrofone, ein Kontrabass; alles steht zwischen den Leuten. Ein Band läuft, man hört die Stimme einer Frau, die russisch spricht. Sie erzählt, dass sie im Permafrost Sibiriens aufgewachsen ist unter den Klängen von Maultrommeln - und wie diese Töne ihr Ohr konditioniert haben. Wie sie zu experimentieren begann, anhand von Tönen und ihren Resonanzen Orte zu erforschen. Wie sie um die Welt zog, um Feldaufnahmen zu machen und versuchte, sowohl räumlich wie zeitlich entlegenste Orte akustisch einzufangen."

Diese Klangreise führe schließlich zu einem "extrem verborgenen, dunklen immernächtlichen Ort, ein- und abgeschlossen im kilometerdicken Eisschild der Ostantarktis" - zu jenem Lake Vostok. Kulikowas Aufnahmen sollen nun "nach ihren Anweisungen" abgespielt werden, sagt Bihler. So entfalte sich eine Live-Montage aufgezeichneter Klänge und Geräusche nach Kulikowas Vorgaben. "Es ist ein bisschen wie eine Konzertpartitur: Es gibt mehrere Wiedergabegeräte, die immer wieder anders im Raum verteilt werden müssen und zu bestimmten Momenten abgespielt werden sollen." Dazu bitten die Pinguine ("Wir selbst sind ja nur zu zweit") die Sommermusik-Besucher um ihre Mitwirkung. Die Interaktion der Performance bestehe ganz praktisch darin, dass Leute aus dem Auditorium "auf ein Zeichen auf einen Knopf drücken". Die Nähe der Hörer zu den Schallquellen verspreche ein besonders intimes Klangerlebnis. Mit Hilfe der fiktiven Russin wolle man die Ohren des Publikums verführen und entführen und die akustische Fantasie beflügeln.

"Lake Vostok" am Mittwoch, 16. September, 20 Uhr, Stadtgalerie. Eintritt frei.

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