Linke will Posten in städtischen Firmen

Dudweiler/Saarbrücken. In Krimis ist es oft einer der Momente, in denen man den Atem anhält, in denen sich die Geschichte zuspitzt: Ein Oberpolizist flüstert ins Funkgerät: "Zugriff!" Dann werden Türen aufgebrochen, Menschen schreien rum, Handschellen klicken

Dudweiler/Saarbrücken. In Krimis ist es oft einer der Momente, in denen man den Atem anhält, in denen sich die Geschichte zuspitzt: Ein Oberpolizist flüstert ins Funkgerät: "Zugriff!" Dann werden Türen aufgebrochen, Menschen schreien rum, Handschellen klicken. Das meint der Stadtverordnete, der seinen Namen in diesem Zusammenhang lieber nicht nennen will, allerdings nicht, wenn er davon spricht, dass in Saarbrücken ein "Zugriff" vorbereitet werde. Die Handelnden sind in dieser Geschichte keine Polizisten, sondern Linke-Politiker. Und es geht nicht um Kriminelle, sondern um Posten in städtischen Unternehmen. Hinter verschlossenen Türen wird auch keineswegs geflüstert, da wird es auch schon mal lauter zwischen Politikern der SPD, der Grünen und der Linken. In den betroffenen Unternehmen halten Mitarbeiter aber durchaus gelegentlich den Atem an mit Blick auf den geplanten Zugriff.Es geht um Führungspositionen im städtischen Entsorgungsbetrieb ZKE und bei der Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft Saarbrücken (VVS). Beim ZKE soll ein zweiter Geschäftsführerposten neu geschaffen werden. Bisher leitet Bernd Selzner das Unternehmen, das für die Müllabfuhr, die Stadtreinigung und fürs Abwasser zuständig ist, alleine.Rolf Linsler, der Landesvorsitzende der Linken, beansprucht den Posten für einen seiner Parteifreunde. Jetzt seien die Linken an der Reihe, Stellen zu besetzen, betont er in Gesprächen mit seinen Stadtratspartnern. Die wollen bisher nicht so, wie Linsler will - was nach SZ-Informationen an der mangelnden Qualifikation des von Linsler vorgeschlagenen Bewerbers liege.Im Visier hat die Linke auch die VVS. Der Vertrag von VVS-Chef Dieter Attig läuft nächstes Jahr aus. VVS-Vorstandsmitglied Peter Edlinger wäre die Linke auch gerne los. Der Mann hat ein CDU-Parteibuch. Zugriff auf die VVS-Chefetage zu bekommen, ist für die Linkspartei besonders wichtig, weil ein Teil der elf Linke-Stadtverordneten in den Wahlkampf gezogen ist mit dem Versprechen, für die Beschäftigten des Stadtkonzerns Politik zu machen. Über 200 Busfahrer der zur VVS gehörenden Saarbahn & Bus GmbH sind vor zwei Jahren in die Linkspartei eingetreten.Winfried Jung, der Saarbahn-Betriebsratsvorsitzende, ist inzwischen für die Linke im Stadtrat. Es sei nun an der Zeit, Wahlversprechen einzuhalten und im Interesse der Arbeitnehmer Macht zu übernehmen, heißt es in der Linkspartei. Zimperlich geht es dabei nicht zu. Linsler habe den Koalitionspartnern und Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD) bereits mit dem Ende der Ratskoalition gedroht, falls sie den Zugriff auf Führungsposten blockieren, sagt die Linke-Stadtverordnete Jessica Zeyer. Peter Bauer, der Vorsitzende der SPD-Ratsfraktion, will über Details nicht reden, aber klar sei: Was immer die Linkspartei an Personal fordere, "bei uns geht die fachliche Qualifikation vor allem". Postenschacher sei mit ihm nicht zu machen. ols