Linke blasen zwei Kreisparteitage ab

Linken-Landeschefin Astrid Schramm und der Saarbrücker Kreisvorsitzende Lothar Schnitzler wollen ihre internen Querelen beenden. Schramm räumt ein, sich zu Unrecht in die Arbeit der Kreisspitze eingemischt zu haben.

Den 845 Mitgliedern des Linken-Kreisverbandes Saarbrücken flatterten in den letzten Tagen trotz des Poststreiks viele Briefe ins Haus. So staunte mancher Genosse, dass die Landesvorsitzende Astrid Schramm die Basis im Regionalverband, deren Kreischef Lothar Schnitzler ist, zu einer Mitgliederversammlung für den 27. Juni nach Quierschied einlud. Auf der Tagesordnung: "Stichwahlen" zur Kür der Ersatzdelegierten für den Landesparteitag im Juli und mehrere Anträge, den amtierenden Kreisvorstand abzuwählen, weil der sich angeblich über Reglungen der Parteisatzung und "rechtskräftige Beschlüsse der Landesschiedskommission ständig hinweggesetzt" habe. Schnitzler und seine Anhänger konterten mit einer Einladung zu einem Kreisparteitag - einen Tag vor dem von Schramm angesetzten Termin. Der Linken-Landeschefin wirft Schnitzler in seinem Schreiben vor, sich satzungswidrig in die Geschäfte des Kreisvorstandes eingemischt zu haben. Im Linken-Hauskrach hatte, sagte Schnitzler, sogar Fraktionschef Oskar Lafontaine versucht, zu vermitteln. Schramm habe aber Fakten geschaffen.

Die Streitfrage im Linken-Zoff: Müssen Ersatzdelegierte für einen Landesparteitag gesondert gekürt werden, oder sind diejenigen gewählt, die in der Rangliste nach den ordentlichen Delegierten folgen. Die Landesschiedskommission gab noch Schnitzler-Kritikern Recht, die Stichwahlen wollten. Die Bundesschiedsrichter sprachen dann aber ein Machtwort, hoben diese Entscheidung auf und meldeten "erhebliche Zweifel" an, ob es zulässig war, dass Schramm zum Kreistreffen geladen hatte.

In einer Krisensitzung haben die streitenden Parteien am Sonntag Burgfrieden geschlossen. "Wir haben uns geeinigt, es ist alles in Ordnung", sagte Schramm und verwies auf einen neuen Brief. Mit Schnitzler teilt sie darin mit, beide Kreisparteitage seien abgesagt, die Querelen eingestellt. Bei den Linken werden jetzt Wetten angeboten, wie lange der Burgfrieden hält.