Serie „Arbeitsplatz Krankenhaus“ : Linda Kiefer hilft ins Licht der Welt

Wer denkt schon gern ans Krankenhaus – solange er gesund ist? Hauptsache, das Krankenhaus ist da, und wir fühlen uns sicher, weil für den Notfall alles bereitsteht: Geräte und vor allem hilfsbereite Menschen. Genau um diese Menschen geht es in unserer Serie „Arbeitsplatz Krankenhaus“. Wir stellen die vor, die uns helfen, falls uns das Glück verlässt – oder uns auf dem Weg ins Leben beistehen. Heute: die Hebamme Linda Kiefer.

Eine Hebamme hilft nur ein bisschen bei der Geburt? Von wegen. Schon ab dem positiven Schwangerschaftstest können Hebammen werdende Mütter unterstützen. "Wer noch nicht schwanger war, hat auch mit Hebammen normalerweise noch nichts zu tun gehabt", erklärt Linda Kiefer den verbreiteten Irrglauben, dass Hebammen lediglich Geburtshelfer seien.

Dabei sind die Aufgaben der 32-jährigen Hebamme am Klinikum Saarbrücken ganz unterschiedlich. Sie macht Vorsorgeuntersuchungen und gibt Alltags- und Ernährungstipps für die Zeit der Schwangerschaft. Außerdem berät sie über unterschiedliche Arten der Geburt und bereitet Frauen darauf vor. Die Geburt dürfe sie sogar allein betreuen.

"Die Anwesenheit einer Hebamme ist gesetzlich vorgeschrieben, die eines Arztes nicht", erklärt Kiefer. Nachdem sie Schwangere während der Entbindung zum Beispiel bei der richtigen Atmung unterstützt hat, hilft sie bei der Untersuchung des Babys und legt es der Mutter zum Stillen an. Auch in den ersten Tagen nach der Geburt steht Kiefer den jungen Familien zur Seite.

"Insgesamt nehmen die meisten Frauen unsere Hilfe etwa acht Wochen in Anspruch", sagt Kiefer. In der neu eingerichteten Elternschule des Klinikums auf dem Winterberg gibt Kiefer auch Kurse zur Geburtsvorbereitung und Beikost-Seminare.

"Im Gegensatz zur früheren Situation in der Großfamilie ist die Geburt heute ein Tabu-Thema", meint Kiefer. Deshalb seien viele Frauen mit der neuen Situation überfordert. Oft blieben nur Internet und Bücher, um sich zu informieren. "Durch die vielen verschiedenen Tipps dort ist es allerdings schwer, sich zu orientieren", sagt sie. Diese Orientierung wollen Kiefer und ihre Kolleginnen geben. "Das Vertrauen ist ganz wichtig", sagt die Hebamme.

Als besondere Bereicherung empfindet sie, dass sie mit so verschiedenen Menschen zu tun hat. "Entscheidend ist, dass man sich in kurzer Zeit auf ganz unterschiedliche Frauen einlassen kann. Das reicht vom syrischen Flüchtlingsmädchen bis zur Professorin. Die Persönlichkeit der Frauen steht immer im Mittelpunkt", erzählt sie.

Das gehörte schon immer zu Kiefers Stärken. Ihre Mutter war es, die den Beruf ins Spiel brachte. "Für mich stand meine Entscheidung lange vor der Bewerbung fest", so die 32-Jährige. Ausgebildet wurde sie in der Homburger Uniklinik. Dort hat sie auch ihre erste Geburt gesehen. "Gott sei Dank hat mich das nicht abgeschreckt. Das hätte ja auch passieren können", meint Kiefer und lacht. Für ihren Berufsstand wünscht sie sich mehr Wertschätzung, vor allem von offizieller Seite: "Unsere Arbeit als Hebammen ist wichtig und sollte von der Politik nicht an den Rand gedrängt werden." Übrigens hat Kiefer selbst eine Tochter auf dem Winterberg zur Welt gebracht. Durch ihre Arbeit weiß sie, was für Komplikationen bei der Geburt theoretisch auftreten können: "Aber weil ich unser Team kenne, habe ich mich die ganze Zeit sehr sicher gefühlt."