Liebesgeschichte verrät viel über das Leben in den 50er Jahren

Liebesgeschichte verrät viel über das Leben in den 50er Jahren

Die 1935 geboreneAutorin Wilma Michler, die heute in Sitterswald lebt, hat in ihrem Roman „Vergessene Briefe“ eigene Erlebnisse als junge Frau verarbeitet.

"In meine Träume weht ein Duft von Rosen aus uralter Zeit…." Das ist einer der vier Haikus - einer japanischen Gedichtform -, die die Frau abends in ihr Tagebuch notiert. Am Nachmittag hatte sie eine mit rotem Samt bezogene Schatulle auf dem Trödelmarkt erstanden, gefüllt mit Postkarten, Fotos - und Briefen. Sie stöbert in ihrem Schatzkästchen, erkennt in den Briefen eine männliche, dann wieder eine weibliche Handschrift. Vor mehr als 50 Jahren haben sich zwei junge Menschen diese Briefe geschrieben. Die Frau beginnt zu lesen, taucht ein in die Liebesgeschichte zwischen Vera und Martin… So beginnt Wilma Michlers Roman "Vergessene Briefe ".

Den Stoff zu ihrem Roman fand sie in Briefen ihres Mannes und eigenen Erlebnissen. Michler wurde 1935 geboren und war in den 50er Jahren, in denen die Geschichte spielt, eine junge Frau. Heute lebt die Autorin in Sitterswald. In den Briefen zwischen Vera und Martin erzählt sie, wie man damals lebte, was die Menschen beschäftigte: welche Bedeutung der Beruf hatte, wie man seine Freizeit verbrachte, welche Musik man hörte, welche Filme beliebt waren. Jedoch: "Die Geschichte beinhaltet nichts Autobiografisches, die Rahmenerzählung, also die Liebesgeschichte zwischen Vera und Martin, ist reine Fiktion," betont Wilma Michler.

So konnte sie auch verschiedene Orte einbringen, an denen ihre Protagonisten leben: in Bonn, in der Schweiz, im Saarland, und dadurch auch die politischen Facetten der damaligen Zeit auffächern. Wenn Michler ihre Vera ans Meer reisen lässt, die junge Frau von diesem Anblick überwältigt ist, dann bekommt man als Leser eine Ahnung davon, wie bescheiden das Leben damals verlief - und wie reich es dennoch (oder gerade deswegen?) war.

Ein Grund mehr - neben der hübschen Geschichte mit berührendem Happy End - die "Vergessenen Briefe " zu lesen.

Wilma Michler: "Vergessene Briefe ", Kelkel-Verlag.

Mehr von Saarbrücker Zeitung