Lieber Sportplatz als Gesundheitszentrum

Das Projekt, ein Therapiezentrum am Kieselhumes anzusiedeln, stößt bei Anwohnern auf wenig Gegenliebe. Die meisten Anwesenden sind sich einig: Wenn schon Lärm, dann doch lieber von einem Sportplatz.

Der volle Raum im Rathaus St. Johann am Donnerstag zeigte, wie groß das Bedürfnis der Anwohner nach Informationen zum geplanten Therapiezentrum am Kieselhumes war. Mit dieser Infoveranstaltung wollte die Saarbrücker Baudezernentin Rena Wandel-Hoefer den Anwohnern die Angst nehmen, in den Entscheidungsprozess gar nicht eingebunden zu werden. "Das Verfahren ist nicht abgeschlossen, wir stehen am Anfang", stellte sie von vornherein klar. Bisher habe lediglich der Investor Gutachten in Auftrag gegeben, um die Machbarkeit des Projekts zu prüfen.

Da wo die Firma Lesax ein Gesundheitszentrum bauen lassen möchte, herrschte früher intensiver Sportbetrieb - unter anderem mit den Hockey-Spielern. Doch seit zehn Jahren liegt die Fläche brach. "Dass sie nicht mehr als Sportplatz genutzt werden kann, liegt daran, dass sportliche Aktivität laut einem Fachgutachten nicht mit Lärmschutzbestimmungen für die Einwohner vereinbar ist", erklärte Sportamtsleiter Toni Bender. Mehrere Anwohner hatten sich damals bei der Stadt wegen des Lärms beschwert und geklagt. "In einem Fall führen wir immer noch einen Prozess", erinnerte Rena Wandel-Hoefer, als sich im Raum viele für die Wiederaufnahme eines Sportbetriebs starkmachten. Die zahlreichen Sportler, die am Donnerstag auch dabei waren, mussten schmunzeln. "Wir freuen uns, doch so viele Freunde des Sports in der Nachbarschaft zu finden", sagte ein Mitglied des Vereins Saar 05, der sich auch für die Wiederbelebung der Fläche als Sportraum einsetzte. Diesen Vorschlag begrüßten die meisten Besucher in ihren Wortmeldungen.

Doch auch bei Nicht-Sportlern hatte Rüdiger Renno, Projektentwickler der Firma Lesax, mit seinem Vorhaben einen schweren Stand. Mehrere Anwesende klagten über bereits belastete Verkehrswege . Die geplanten 260 Stellplätze beim Gesundheitszentrum würden das Ganze noch verschärfen, sorgte sich eine Anliegerin. In der Tat enthält das Projekt neben einem Therapiezentrum mit Behandlungsräumen auch einen medizinischen Spa, ein Hotel mit rund 200 Betten, Gastronomie und bis zu drei Arztpraxen .

Davon würden nicht nur Hotelgäste von außerhalb profitieren, sondern auch Anwohner, denn die Anlage würde für Jedermann zur Verfügung stehen, antwortete Renno auf die Frage, was das Projekt als Mehrwert für die Umgebung mit sich bringe. Doch damit konnte er die Nachbarn nicht überzeugen. Die meisten waren nämlich der Meinung, dass ihr Ort diesen Mehrwert nicht braucht. Für sie wäre eine solche Investition an anderer Stelle sinnvoller, etwa an der Sporthochschule, wo Spitzenathleten trainieren, und ein solches Angebot eher in Anspruch nehmen würden. Außerdem zeigte sich unter den Besuchern die Skepsis, inwiefern sich ein fünfstöckiges Gebäude in das Landschaftsbild einfügen würde.

Am Donnerstag war nicht der letzte Meinungsaustausch zwischen den Anwohnern und der Stadtverwaltung. Baudezernentin Rena Wandel-Hoefer kündigte für Anfang nächsten Jahres neue Gespräche an.