Liebe zum Fußball ist Bindeglied zwischen alter und neuer Heimat

Liebe zum Fußball ist Bindeglied zwischen alter und neuer Heimat

Saarbrücken. Auf seinem Facebook-Profil postete Omar Al-Azzawi (17) kürzlich ein Foto: Es zeigt ihn und Oberbürgermeisterin Charlotte Britz im Rathaus St. Johann. "Wenn ich schon den ganzen Nachmittag bei der Einbürgerungsfeier verbringe, wollte ich auch ein Foto mit Britz", grinst er

Saarbrücken. Auf seinem Facebook-Profil postete Omar Al-Azzawi (17) kürzlich ein Foto: Es zeigt ihn und Oberbürgermeisterin Charlotte Britz im Rathaus St. Johann. "Wenn ich schon den ganzen Nachmittag bei der Einbürgerungsfeier verbringe, wollte ich auch ein Foto mit Britz", grinst er. Über das Bild schreibt er: "Ich und Lotte!" und kommentiert "Ich bin jetzt deutscher Staatsbürger".Denn der gebürtige Iraker bekam an diesem Tage nicht nur das Foto, sondern auch seine deutsche Einbürgerungsurkunde. Ein halbes Jahr hat er darauf gewartet. Aber warten hat Al-Azzawi gelernt. Vor zehn Jahren kommt er mit seinen Eltern und seinem zwei Jahre älteren Bruder als Flüchtling nach Lebach. In seiner Geburtsstadt Bagdad tobt der Zweite Golfkrieg. An die Zeit in Bagdad kann er sich noch gut erinnern: "Klar, ich habe dort noch die erste Schulklasse besucht. Ich weiß noch, dass wir immer draußen gespielt haben: Fußball mit vielen Freunden."

Dann ändert sich sein Leben schlagartig. "Die ersten vier, fünf Jahre haben wir in Lebach in einem Flüchtlingsheim verbracht. Ein Zimmer mit zwei Hochbetten. Das eine teilten sich mein Bruder und ich, im anderen schliefen meine Eltern. Neben den Betten war direkt die Toilette." Erst bekommt die Familie nur befristete Aufenthaltsgenehmigungen, "irgendwann dann unbefristete", erinnert er sich.

"Danach sind wir nach Saarbrücken gezogen. Endlich in eine normale Wohnung." Mittlerweile lebt er länger in Deutschland als im Irak. Trotzdem vermisst er seine alte Heimat. "Aber nicht das Land oder Bagdad, sondern meine Familie. Da leben Oma, Tanten und Onkels."

Treffen mit Verwandten

Seit der Flucht hat die Familie Al-Azzawi nur einmal ihre Verwandtschaft getroffen. "Wir dürfen ja nicht in den Irak einreisen." 2006 aber reist die Familie nach Syrien. "Irak grenzt im Osten an Syrien, und dort haben wir uns dann mit unseren Verwandten getroffen." Mit seinem deutschen Pass will Omar so schnell wie möglich Bagdad besuchen. "Ansonsten wird sich nicht viel ändern", sagt der 17-Jährige, "ich bin ja nicht plötzlich ein anderer." Etwas anderes hat sich auch nie geändert. Schon als kleiner Junge war Fußball seine große Leidenschaft. Er liebt den Profi-Fußball, kennt alle Spieler und die internationalen Ligen wie seine Westentasche. "Am meisten mag ich die englische Premier League." Aber Omar spielt auch selbst Fußball. "Seitdem ich laufen kann", grinst er. Derzeit ist er bei der U-19-Mannschaft des SC Halberg Brebach. "Der Trainer ist streng. Aber gut, Disziplin ist wichtig im Sport." Und dann rollt der schüchterne Junge genervt mit den Augen.

"Uns Moslems wird ja gern mal unterstellt, wird hätten kein Bock auf Integration. Ich lebe hier ganz normal und verhalte mich auch so. Wenn man auf dem Fußballplatz steht und aus dem Publikum dann Beschimpfungen wie Kameltreiber rüberschwappen, verletzt das. Aber ich versuche es zu überhören, konzentriere mich aufs Spiel."

Was im Fußball zählt, gilt auch im Leben. "In den letzten Monaten habe ich zu viel gechillt. Bin von der Schule mit einem Hauptschulabschluss runter. Aber jetzt habe ich ein Praktikum in der Congresshalle angefangen."

Omar Al-Azzawi will mit seinem deutschen Pass so schnell wie möglich seine Geburtsstadt Bagdad besuchen. Foto: Iris Maurer.

Und dann kramt er nach seinem Namensschild: "Culinarium Saar-Lor-Lux - Omar Al-Azzawi" steht da. Der 17-Jährige lacht: "Vielleicht werde ich ja Bürokaufmann!" Für seine künftigen Bewerbungen kann es nicht schaden, dass er nun Deutscher ist, findet er.