Lautlose Freigabe einer Brücke

Jahrelang waren die beiden Ortsteile Jägersfreude und Herrensohr von einander getrennt, die alte Eisenbahnbrücke ist durch die Jahre marode geworden. Nun steht endlich der Ersatz und kann befahren werden.

Kein Banddurchschnitt, kein Startschuss, kein Eröffnungsfeuerwerk. In Wahlkampfzeiten wäre es undenkbar, dass die Stadtwerke plötzlich mitteilen: "Ab Montag wurde die neue Eisenbahnbrücke in Jägerfreude für den Verkehr freigegeben" ohne ein Bild mit den örtlichen Honoratioren. Und das ist umso erstaunlicher, weil diese Verkehrsfreigabe heiß ersehnt wurde.

Die Bahnbrücke zwischen Herrensohr und Jägersfreude ist wichtig, wenn man zwischen den Orten pendeln muss und irgendwie über die Bahnlinie kommen will. "Eine kleine Brücke macht großen Ärger" lautete unsere Überschrift im Juli 2011. Damals wurde nach einer Sicherheitsüberprüfung die Querung ohne Vorwarnung plötzlich gesperrt. Jahrelang stand damals schon fest, dass Sanierungsbedarf besteht, getan wurde wenig. Schilder wurden aufgestellt, der Lkw-Verkehr auf der Brücke verboten, dann eine Ampel installiert, die jährlich 32 000 Euro Betriebskosten verursachte. Das jedenfalls teilte der damalige Bezirksbürgermeister Walter Rodermann der Öffentlichkeit mit (SZ vom 22. Juni 2011). Hinter den Kulissen stritten Stadt und Bahn um Pläne und Kosten. Stadtpressesprecher Thomas Blug wies auf das schwierige Verfahren hin und beklagte, die Abstimmungen mit der Bahn würden Monate dauern.

Nun, nach mehr als drei Jahren, scheint das vergessen. Die Verkehrsbetriebe halfen den Bürgern auf beiden Seiten der Brücke mit einem Pendelverkehr zwischen den Ortsteilen über die Missstände hinweg. Während des Neubaus der Brücke brachte der Sonderbus täglich bis zu 220 Fahrgäste zu den Anschluss-Bussen der Linien 104 nach Saarbrücken oder 125 nach Dudweiler. Für diese Erleichterung hatten aber zunächst die Bürger selbst kämpfen müssen. Viele Leserbriefe erreichten damals unsere Redaktion. Es gab Bürgertreffs und schließlich ein Einlenken im Saarbrücker Rathaus. Oberbürgermeisterin Charlotte Britz hatte sich persönlich eingesetzt und den Pendelbus zugesagt - zunächst im Probebetrieb für drei Monate. Das war ebenfalls im Juli 2011. Der Pendelbus fährt heute noch. Und wieder erreichte uns ein Brief: diesmal von den Verkehrsbetrieben der Saarbahn GmbH : "Ab Montag, 22. September, wurde die neue Eisenbahnbrücke in Jägerfreude für den Verkehr freigegeben. Somit ist die Befahrung Eisenbahnstraße - St.Johanner Straße in Jägersfreude wieder möglich. Die derzeitige Linienführung der Linie 125 wird noch bis einschließlich 5.Oktober gefahren, ebenso verkehrt der Pendelbus der Linie 125 noch bis einschließlich 2.Oktober.

Ab Montag, 6. Oktober, wird der ursprüngliche Weg der Linie 125 von Herrensohr Kirche über die St.Johanner Straße und Blechhammerstraße zur Innenstadt und umgekehrt gefahren." Mit diesen vier Sätzen enden mehr als drei Jahre provisorischer Fahrbetrieb. In Herrenohr und Jägersfreude freut man sich über die neue Brücke - auch ohne Feuerwerk und Reden von Politikern. Die Kosten für die gesamte Baumaßnahme schätzt die Landeshauptstadt auf etwa 1,5 Millionen Euro. Letzte Maßnahmen müssten allerdings noch abgeschlossen werden.