Lange leben in der Bruchwiese

Im Wohngebiet Bruchwiese sind die Bewohner überdurchschnittlich alt. Man will es so gestalten, dass es die benötigten Hilfen und Dienste bereit hält, damit die Leute lange selbstständig hier leben können.

. Das Quartier Bruchwiese in Saarbrücken-St. Johann trägt in seiner Überschaubarkeit Züge eines Dorfes. Im Norden wird es durch die Martin-Luther-Straße begrenzt, im Süden durch die Lessingstraße, im Osten von der Halbergstraße und im Westen von der Egon-Reinert-Straße. Die Bruchwiese wird von mehrstöckigen Häusern geprägt. Wohneigentum und Mietverhältnisse (mit privaten und öffentlichen Eigentümern) sind gleichermaßen anzutreffen.Die meisten der 2800 Bewohner aus den 1600 Haushalten leben schon Jahrzehnte hier und kennen sich nicht nur vom Sehen, sondern durch Kontakte.

Zwischen den Häusern ist reichlich Luft für Wege, Wiesen, Bäume und ein angenehmes Leben. Die Bruchwiese ist kein "Brennpunkt", wie man es an den Rändern deutscher Großstädte oft antrifft, es ist kein Viertel der Armut und der Probleme. Es ist aber ein Viertel, dessen Bewohner überdurchschnittlich alt sind und überdurchschnittlich oft alleinstehend. Lediglich auf dem Eschberg ist das Durchschnittsalter noch etwas höher als hier.

Gerade wegen dieser Besonderheit hat das Diakonische Werk an der Saar die Bruchwiese für ein beispielhaftes Projekt der Altenhilfe ausgesucht. Es geht, wie gestern bei einem Ortstermin erklärt wurde, um "altergesrechte Quartierentwicklung" oder auch - im modernen Sprachgebrauch: "Quartiersmanagement". Die Bruchwiese soll sich so entwickeln, dass die Bewohner möglichst lange hier in der gewohnten Umgebung bleiben können. Dazu möchte man ihnen allerlei angedeihen lassen, was nach menschlichem Ermessen dazu gehört: Versorgung durch Pflegedienste und Hauswirtschaftskräfte, barrierefreie Wohnungen, Treffpunkte, Kultur-, Gesundheits- und Bewegungsangebote, Ausflüge, Nachbarschaftshilfe und Beratung in allerlei Lebenslagen.

Das Modell besteht darin, gemeinsam mit den Bewohnern herauszufinden, was diese selbst wollen - um es danach anzustreben. "Was brauchen die Menschen eigentlich, um lange hier wohnen zu können?", brachte Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD) das Thema auf den Punkt und bedankte sich bei der Diakonie für die Trägerschaft dieses auf zunächst drei Jahre angelegten Projektes.

Es hat ein Volumen von 120 000 Euro (davon zwei Drittel von der Deutschen Fernsehlotterie) und wird vom Sozialarbeiter Uwe Quast koordiniert. Er versteht sich sozusagen als "Lobbyist" der Bruchwieser und hat sein Büro im Geschäft "Schnickschnack" in der Lessingstraße 61. Es soll Anlauf- und Kontaktstelle für die Bewohner sein.

Neben dem Aufbau einer ehrenamtlichen Nachbarschaftshilfe möchte Quack gleich mit dem Aufbau einer Ausstellung "Bilder und Gesichter der Bruchwiese" beginnen.

Er sucht Fotos und Geschichten von der Bruchwiese, die bis in die 1920er-Jahre Wiese war, danach Kleingartenanlage. Vor 60 Jahren wurden die Häuser gebaut.

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