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Land verkauft Oberbergamt-Haus

Repräsentative Villa unterm Hammer: Das Saarland braucht Geld und will das ehemalige Bergamt am Saarbrücker Staden verkaufen.Fotos: Becker&Bredel
Repräsentative Villa unterm Hammer: Das Saarland braucht Geld und will das ehemalige Bergamt am Saarbrücker Staden verkaufen.Fotos: Becker&Bredel
Saarbrücken. Das Badezimmer mit dem Jugendstil-Bleiglasfenster und der schweren Emaille-Badewanne - ein Traum! Das Dach aus meisterhaft eingedecktem Naturschiefer - "hält ungelogen tausend Jahre", sagt ein Kenner Von SZ-Redakteur Peter Wagner

Saarbrücken. Das Badezimmer mit dem Jugendstil-Bleiglasfenster und der schweren Emaille-Badewanne - ein Traum! Das Dach aus meisterhaft eingedecktem Naturschiefer - "hält ungelogen tausend Jahre", sagt ein Kenner.


Die Großzügigkeit der Räume, die Muster der eichenen Parkettbögen, das prächtige, Ehrfurcht gebietende Foyer mit holzgetäfelten Wänden und geschnitztem Treppengeländer, die Doppelfenster des Wintergartens mit den verdeckten Rollladenbändern - man weiß nicht recht, welche Details dieses prächtigen Hauses am Saarbrücker Staden 17 man hervorheben sollte.

Die "Villa mit Ausstattung" wurde 1923 von Carl Burgemeister und Karl Brugger als Privathaus erbaut. Bis heute ist es in Herrenteil und Gesindeteil aufgeteilt. Von 1942 bis 2007 diente es dem Oberbergamt als Sitz. Die Behörde war unter diesem Dach sozusagen gegründet worden.



Von 2000 bis 2006 fand auch die Deutsch-Französische Hochschule hier Unterkunft. Ein das Auge irritierender Baumarkt-Briefkasten erinnert noch daran. Ansonsten hatten modernistische Einflüsse kaum Gelegenheit zu stören, denn das Haus steht unter Denkmalschutz. Renovierungen und Sanierungen (zuletzt 1999/2000) unterliegen Auflagen der Denkmalbehörde.

Objekte dieser Güte und in solch einer bevorzugten Wohnlage gibt es nicht sehr viele in Saarbrücken und dann auch noch käufliche. Das Saarland als Eigentümer trennt sich wegen seiner angespannten Haushaltslage von allen Immobilien, die nicht als Verwaltungsgebäude gebraucht werden. "Solche Schmuckstücke haben wir allerdings nicht viele", sagt Referatsleiter Franz-Josef Schmitt, der das Haus an den Mann oder die Frau bringen soll. Für dieses Haus (über 600 Quadratmeter Wohnfläche) einschließlich etwa 2300 Quadratmetern Grundstück möchte das Saarland mindestens 700000 Euro haben, zumal das deutlich kleinere, nicht so hochwertige Nachbarhaus 560000 Euro gebracht hatte. Wie Schmitt versichert, hätten bislang 60 Interessenten vorgesprochen. Was kostet das Heizen im Monat, ist der Keller vor Hochwasser sicher, wer hat wann was eingebaut - zur Beantwortung solch häufiger Fragen wird sogar ein Fachmann ersten Ranges hinzugezogen, nämlich Friedhelm Schmitt von der Bergbehörde, der jeden Winkel der Villa kennt und das Haus sehr mag. Seiner Ansicht nach könnte es für Menschen eine Überlegung wert sein, die citynah prächtig wohnen wollen und die Größe nicht scheuen. Ein möglicher Nachteil für Ruhe Suchende sind die Nähe zur Biergarten-Gastronomie am Staden sowie der Autobahn-Krach.

Franz-Josef Schmitt könnte sich vorstellen, dass ein oder zwei Freiberufler-Familien hier, nach einem behutsamen Umbau, leben und gleichzeitig arbeiten könnten: "Ich glaube an die Kreativität unserer Architekten". Im November soll das Haus meistbietend zugeschlagen werden. Der Landtag entscheidet danach als letzte Instanz verbindlich, ob sich das Saarland zu diesem Preis von der Immobilie trennen soll.

Der Keller.
Der Keller.
Das Bad.
Das Bad.
Der Treppenaufgang.
Der Treppenaufgang.