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Kurze Kunst in der Kälte

Saarbrücken/Saargemünd. Gut 200 Videofilme wurden für eins der schrägsten Festivals der Region eingereicht. 30 davon sind bis zum 23. März in Saarbrücken, Saargemünd, Forbach und Luxemburg zu sehen – in Schaufenstern. Martin Rolshausen

Es gibt viele Dinge, die Künstler und ihre Arbeit beeinflussen. Bei den Werken, die es in den Loopingstar-Wettbewerb geschafft haben, sind Witterung und Lärm entscheidende Kriterien. "Die Betrachter stehen auf der Straße. Die Straße ist laut", haben Patricia Raven, Véronique Verdet, Frank Krämer und Volker Schütz vom Loopingstar-Team allen, die sich in diesem Jahr an dem Videokunst-Wettbewerb beteiligen, mitgeteilt. Und geraten: "Die Videos sollten ohne Ton auskommen."

Und einen Blick auf den Kalender haben sie den Künstlern auch empfohlen: "Das Festival findet im März statt. Da ist es noch recht kalt." Daraus ergibt sich der Tipp, dass ein Video "so kurz sein sollte, dass man es stehend genießen kann ohne zu erfrieren".

Die 30 Videos, die das Team aus gut 200 Bewerbungen erkoren hat, werden nämlich nicht in Ausstellungsräumen gezeigt. Sie flimmern über Bildschirme, die bis 23. März in Schaufenstern von Geschäften in der Saarbrücker Innenstadt, Luxemburg , Forbach und Saargemünd stehen.

Sie da reinzubekommen, sei gar nicht so einfach, sagt Patricia Raven. Die Suche nach "experimentierfreudigen Menschen" sei mühsam. "Man muss viel reden und geduldig nachfragen." Und manchmal einfach nur Glück haben, um an denjenigen in einem Laden zu geraten, der offen ist für diese Art der Kunst - und der nicht findet, dass so ein Videoprojektor zu laut brummt.

Patricia Raven, Véronique Verdet, Frank Krämer und Volker Schütz haben es jedenfalls wieder geschafft, mit Videokunst nicht nur Staatsgrenzen zu überschreiten, sondern "eine Brücke von der Kunst auf die Straße zu schlagen", wie sie sagen. Und es ist ihnen gelungen, einige Fernseher aus den 70er und 80er Jahren aufzutreiben, die auch ohne dass über deren Scheibe Filme flimmern, für platte Nasen an Schaufensterscheiben sorgen könnten.

Meist bis tief in die Nacht, sagt das Loopingstar-Quartett, "teilen Frisörläden, Buchhandlungen und Textilläden ihre Auslagen mit den ausgewählten Videoarbeiten", den "funkelnde Juwelen im öffentlichen Raum". In Saarbrücken konzentriert sich das Geschehen auf den St. Johanner Markt und das Nauwieser Viertel. Am Ende werden die besten Arbeiten von einer Saar-Lor-Lux-Jury prämiert. Die Preisverleihung ist am 22. März um 18 Uhr mit Musik von Martial Frenzel im Terminus Saargemünd - also ohne Lärm und im Warmen.

Das Festival startet am Freitag, 13. März, mit einem Rundgang zu den Videoarbeiten in der Saarbrücker Innenstadt. Treffpunkt ist um 19 Uhr am St. Johanner Markt vor dem Geschäft "YaaYaa", Saarstraße 3. Das ausführliche Programm gibt es im Internet.

loopingstar.de


Zum Thema:

Die Künstler: Aalboys, Mert Akbal, Morgane Bodart, Jovan Cvetkovski, Les Petits Coucous, Barþ Eviz, Francoise Fournelle, Kuesti Fraun, Albin Hodza, Leslie Huppert, Nica Junker, Alexander Karle, Anna Kautenburger, Philipp Majer, Joni Marriott, Marc André Mismann, Michael Nolte, Julia Painchard, Paulette Penje, Katarzynza Ratajczak, Patricia Raven, Jean-Marie Rolland, Nikolaus Schrot, Volker Schütz, Véronique Verdet und Sebastian Voltmer. ols