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Kuriose Wette um Existenz von Masernviren

Weil er nicht glaubt, dass es das Masernvirus gibt, hat ein Biologe vom Bodensee ein Preisgeld ausgeschrieben: Wer die Existenz der Viren nachweisen könne, erhalte 100 000 Euro. Ein Homburger Arzt nahm die Wette an und reichte Studien als Beweis ein. Das Geld hat er bis heute aber nicht gesehen. Jetzt hat er geklagt. Björn Heib

Homburg/Langenargen. Rote Hautflecken, Fieber und im schlimmsten Fall Hirn- und Lungenentzündungen: Masern sind eine ernst zu nehmende Krankheit, verursacht durch ein Virus, das die Schulmedizin bereits vor 60 Jahren entdeckt hat. Längst gibt es dagegen Impfstoffe. Nicht schwierig also, die Existenz des Erregers heute nachzuweisen.

Das dachte sich auch der 29-Jährige Arzt David Bardens aus Homburg. Jedenfalls, als er auf der Webseite des Biologen Stefan Lanka aus Langenargen am Bodensee eine lukrative Auslobung entdeckte: Demjenigen, der die Existenz des Masernvirus nachweisen könne, winke eine Prämie von 100 000 Euro. Beweise in Form von Studien habe Bardens eingereicht, das Geld jedoch nie gesehen. Jetzt hat er den Biologen verklagt (die SZ berichtete). Nach einem ersten Verhandlungstermin vertagten die Richter am Landgericht Ravensburg den Prozess zunächst auf den 24. April.

Bardens, der zurzeit seine Facharztausbildung in Stockholm absolviert und bis März in der Frauenklinik in Homburg gearbeitet hat, wurde auf die Auslobung zu Beginn des Jahres 2012 aufmerksam. Zunächst war er skeptisch: "Ich habe mir damals erst mal schriftlich bestätigen lassen, ob diese Auslobung ernst gemeint ist", erinnert er sich. Anschließend habe der Mediziner als Beweismaterial mehrere wissenschaftliche Publikationen, die die Existenz des Virus' belegen sollen, per Einschreiben an Stefan Lanka gesandt - inklusive seiner Kontodaten.

Der Biologe habe auf die Post zunächst jedoch nicht reagiert. "Erst, nachdem ich Mahnungen verschickt hatte, hat er sich bei mir gemeldet", erklärt der Homburger Mediziner. Und Lanka verweigerte die Zahlung. "Er behauptete, alles, was in den Publikationen steht, sei frei erfunden." Außerdem habe er gefordert, dass sämtliche Untersuchungen vom Robert-Koch-Institut stammen müssten. Davon sei in den Teilnahme-Bedingungen jedoch keine Rede gewesen, erklärt Bardens. Da er sich sicher ist, von Rechts wegen Anspruch auf die Prämie zu haben, reichte der Homburger eine Klage auf Bezahlung der 100 000 Euro ein.

Lanka widerspricht der Darstellung des Homburger Arztes vehement. Im Gespräch mit der SZ wirft er diesem vor, die Bedingungen der Ausschreibung nicht richtig gelesen zu haben. "Die Publikationen zeigten außerdem keine Beweise für Masernviren. Darin sind nur zelleigene Strukturen zu sehen", so der Biologe. Lanka vertritt die Auffassung, dass Viren nicht für die Entstehung von Krankheiten verantwortlich sind. "Masern können durch Vergiftungen der Haut, etwa durch Cremes, ausgelöst werden", so die These des Biologen. Bardens betitelt diese Auffassung als "mittelalterlich".

Nachdem sich die beiden am ersten Prozesstag nicht gütlich einigen konnten, entscheiden die Richter bis zum 24. April, ob es zur Beweisaufnahme kommt. "Ich gehe davon aus, dass die Richter nun einen Gutachter bestellen werden", vermutet Bardens. Lanka sieht das Recht auf seiner Seite. Sollte es zur Beweisaufnahme kommen, "wird das Ganze mit einem Freispruch" enden, gibt sich der Biologe siegesbewusst.

Unabhängig vom Ausgang des Klage-Verfahrens hat dieser sein selbst erklärtes Ziel, seine eigenen Theorien publik zu machen, schon erreicht: "Es ging mir mit der Auslobung darum, die Sache an die Öffentlichkeit zu bringen und zu zeigen, dass die Infektionstheorie falsch ist." Foto: bardens



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HintergrundIm Saarland gab es laut Angaben des Robert-Koch-Instituts seit dem Jahr 2012 keinen gemeldeten Fall einer Masern-Erkrankung mehr, 2011 waren es noch 36. Seit dem Jahr 2001 wurden hierzulande 70 Fälle bekannt. Bundesweit lag die Zahl der Neuerkrankungen im vergangenen Jahr bei 1769. Im Saarland haben 2012 nach vorläufigen Zahlen des Gesundheitsministeriums 93,8 Prozent der insgesamt 7796 untersuchten Kinder die erste und zweite Masern-Impfung bekommen. Das entspricht der Quote aus dem Vorjahr. eib

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