Kuratorium führt die Stiftung Hospital

Die Stiftung Hospital und ihr langjähriger Direktor Karl Kasper gehen getrennte Wege. Zum 1. März beendet Kasper seine Tätigkeit bei der Stiftung. Das hat der Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung, Bürgermeister Klaus Bouillon, mitgeteilt.

"Direktor Kasper und das Kuratorium der Stiftung Hospital sind übereingekommen, dass Karl Kasper seine Tätigkeit beim Hospital St. Wendel zum 1. März beendet." Das sagte der St. Wendeler Bürgermeister Klaus Bouillon, Kuratoriumsvorsitzender, gegenüber der SZ. Kaspers Aufgaben würden ab sofort von seinem Verwaltungsleiter Dirk Schmitt, 43, übernommen. Dies habe das Kuratorium einstimmig so beschlossen. Bouillon weiter: "Bis zur Einstellung eines neuen Direktors unterstützen der Kuratoriums-Vorsitzende Klaus Bouillon und sein Stellvertreter Franz-Josef Kockler den Verwaltungsleiter." In zwei Personalversammlungen habe man diese Entscheidung den Mitarbeitern mitgeteilt.

Das Kuratorium ist das Entscheidungsgremium der Stiftung. Es besteht aus sieben Mitgliedern. Der Hospitaldirektor setzt die Vorgaben des Kuratoriums um und leitet die Stiftungsgeschäfte.

Die Stiftung Hospital beschäftigt rund 800 Mitarbeiter und ist in den Bereichen Jugendhilfe, Kinderhilfe und Altenhilfe aktiv. In finanzielle Schieflage ist das Unternehmen durch ein wachsendes Defizit im Bereich Jugendhilfe gekommen (wir berichteten). Bei einem Jahresumsatz von 35 Millionen Euro hatte die Stiftung im vergangenen Jahr ein Defizit von 385 000 Euro in der Jugendhilfe gemacht. Seit 2008 summierte sich die Finanzlücke auf 1,5 Millionen Euro. Wegen der dramatischen Finanzlage kürzte die Stiftung die Jahressonderzahlung 2013, also das Weihnachtsgeld, um 50 Prozent. Dadurch wurden 300 000 Euro eingespart. Betroffen waren 600 Mitarbeiter.

Zur aktuellen Situation der Stiftung sagt der Bürgermeister jetzt: "Die finanziell nicht einfache Situation des vergangenen Jahres ist mit der Kürzung des Weihnachtsgeldes und verschiedener Maßnahmen des Kuratoriums bereits weitestgehend behoben." Das Kuratorium habe auf der Basis eines Gutachtens, das man im Sommer vergangenen Jahres in Auftrag gegeben habe, verschiedene Maßnahmen umgesetzt und sei dabei, auch Strukturveränderungen in der Jugendhilfe in den nächsten Monaten zu realisieren.

Bouillon: "Dadurch werden wir nach den derzeitigen Planungen und Hochrechnungen bereits in diesem Jahr wieder ein positives Gesamtergebnis erzielen und auch das Weihnachtsgeld 2014 in voller Höhe auszahlen." Bei planmäßigem Verlauf könnte auch das einbehaltene Weihnachtsgeld 2013 teilweise zurückbezahlt werden. Das setze allerdings die Umsetzung weiterer Vorgaben im Bereich Jugendhilfe voraus.

"Die Jugendhilfe war überpersonalisiert", sagt Klaus Bouillon. Nicht im operativen Geschäft, also bei der direkten Betreuung der Jugendlichen, "sondern im Oberbau bei der Projekt- und Bereichsleitung." Hier hätten bisher drei Mitarbeiter die Stiftung verlassen, diese Stellen würden nicht mehr besetzt. Bouillon: "Es gibt keine Stellenstreichung im operativen Geschäft. Wir erfüllen alle gesetzlichen Vorgaben des Jugendhilfegesetzes."

Weiterhin habe man einen 14-Punkte-Plan erarbeitet, unter anderem den Neuaufbau der Verwaltung und Verbesserung des Controllings. Um diesen Plan zu verwirklichen, habe man die Leitung der Stiftung an das Kuratorium herangezogen. Zur Stiftung selbst sagt Klaus Bouillon: "Das Haus steht auf einem soliden Fundament." Die Altenhilfe sei gut aufgestellt auf absolut finanziell gesunden Füßen ohne jegliche Probleme. Das gelte auch für die Kinderhilfe mit Kindergarten und Krippe. In der Jugendhilfe werde man voraussichtlich 2015 schwarze Zahlen schreiben.

Auf SZ-Nachfrage sagte Karl Kasper gestern: "Ich habe mich sehr darüber gefreut, diese älteste Stiftung im Saarland über 20 Jahre an verantwortungsvoller Stelle begleiten zu dürfen und sie zu einer modernen sozialen Dienstleistungseinrichtung zu entwickeln."

Karl Kasper (63) war 21 Jahre lang Hospitaldirektor. In dieser Zeit hat sich die Zahl der Mitarbeiter von rund 380 auf etwa 800 mehr als verdoppelt, hat die Stiftung Millionen Euro investiert. Unter anderem in den Ausbau der Altenhilfe: 1999 wurde das Seniorenheim in Freisen in Betrieb genommen, 2001 das neue Altenhilfezentrum St. Wendel als Bundesmodell zur Versorgung Demenzkranker, 2005 das Seniorenheim Namborn, 2008 der Erweiterungsbau in Freisen, 2009 das Appartementhaus für ältere Menschen, 2011 die Erweiterung in St. Wendel und 2012 das Seniorenhaus in Theley. 2009 wurde das neue Kinderhaus eröffnet, 2011 startete der Neu- und Umbau der Kinderkrippe auf dem Hospitalgelände. Zurzeit entstehen zudem neun neue stationäre Wohngruppen-Plätze für Jugendliche auf dem Hospitalhof.

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