Kunststückchen ohne Leckerli

Einmal samstags spät aufgestanden und die Bäckereien mit der noch handgemachten Ware sind schon zu. So ereilt mich das zweifelhafte Vergnügen, in einem Massenbackwaren-Laden zu kaufen.

Eine echte Herausforderung, ich sag's Ihnen. Denn man gelangt nicht so ohne Weiteres an Brötchen und Hörnchen. Weil die Hygiene hoch gehalten wird. Da wird nix angetatscht, wird nirgends draufgeniest, Gott bewahre! Man steht vor verglastem Gehäuse, das Groß- und Kleingebäck in vergitterten Boxen bereithält. Und vorne ragt an jedem dieser ,,Backwaren-Käfige" der Stiel eine Schaufel heraus. Mit dieser Schaufel muss man eins nach dem anderen die gewünschte Ware aufladen und in einen zweiten, rechts befindlichen Käfig fallen lassen. Nun kann man da reinlangen und das Teil herausziehen. Beim dritten Hörnchen stellt sich noch immer keine Routine ein. Die Jonglage will nur mit einiger Konzentration gelingen.

Und während ich so schaufele, muss ich an einen ehemaligen Klassenkameraden denken. Er brachte seiner Katze ein Kunststück bei. Dazu nahm er einen Hula Hoop-Reifen her, legte davor ein Stückchen Fleischwurst und brachte den Vierbeiner dazu, durch den Reifen zu springen. Das Tier verweigerte sich nicht, weil es ja die Wurst nach erfolgreichem Hopsen zur Belohnung erhielt. Am Ende ließ mein Klassenkamerad das Leckerli weg, und der Stubentiger sprang trotzdem.

Manchmal fühlt man sich wie ein Katze, die Kunststückchen vollführt und vergebens auf die Wurst wartet.