Kunst öffnet Türen zur Politik

Derzeit stellt die aus Island stammende, im Saarland lebende, renommierte Bildhauerin Sigrún Ólafsdóttir im Foyer und auf der Terrasse des Saarländischen Landtags aus. Vor allem ihre großen Plastiken im Garten sollen demonstrieren: In diesen Politikraum kann jeder kommen.

"Die Idee der Reihe Kunst im Landtag stammt vom Präsidenten des Landtages, Hans Ley. Er fragte mich vor über drei Jahren, ob ich mir vorstellen könnte, im Landtagsgebäude Ausstellungen zu präsentieren", erklärt Armin Schmitt vom Landesinstitut für Pädagogik und Medien und Mitglied im Beirat der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz. Die Wahl sei auf ihn gefallen, da er sich in der saarländischen Kunstszene auskenne, aber trotzdem unabhängig sei, meint Schmitt, der unter anderem auch das legendäre Festival "Schichtwechsel" im Weltkulturerbe Völklinger Hütte mitgestaltete.

Er nahm sich dann noch Christoph Frisch, Leiter des Kunstzentrums Bosen, mit ins Boot, und zusammen haben sie mittlerweile sieben hochwertige Ausstellungen im Landtagsgebäude kuratiert. "Da der Ort eine besondere Adresse ist, auch in der Vita der Künstler, war uns schon zu Beginn klar, dass wir nur anerkannte Künstler aus der Region ausstellen wollen, die auch eine eigene Sprache in ihrer Kunst gefunden haben", erzählt Christoph Frisch im SZ-Gespräch.

Allerdings ist das Foyer des Landtagsgebäudes gar nicht so leicht zu bespielen. An den Wänden sind bereits Kunstwerke namhafter saarländischer Künstler angebracht. Und zusätzlich ist in der Architektur und Inneneinrichtung der Charme der 50er Jahre allgegenwärtig. "Die Präsentation ist für die Künstler eine Herausforderung. Die Künstler schaffen neue Arbeiten für diesen Raum, obwohl diese Kunstwerke nicht bleiben können", bestätigt auch Armin Schmitt. Daher ist es wichtig, dass sich die Künstler mit dem Gebäude, der Institution und dem Raum auseinandersetzen.

Seit Anfang der Woche ist es die Künstlerin Sigrún Ólafsdóttir, die ihre Skulpturen im Landtag zeigt. Neben mehreren kleineren Arbeiten, die der Künstlerin auch schon mal als Modelle dienen, sind es zwei Holzskulpturen, die besonders auffallen. "Umweg" und "Aufbruch" sind aus Holz gearbeitet, schwarz gestrichen und von einer besonderen Zerbrechlichkeit. Die Skulpturen wirken auf den ersten Blick massiv, dann aber entdeckt man, dass sich die aus gebogenen Holzplatten zusammengesetzten Formen nach unten verjüngen und ihr Gleichgewicht und ihre Stabilität täuschen. "Mir ist es wichtig, dass meine Arbeiten, egal ob zart oder massiv, wie ein Kartenhaus wirken. Es geht mir um die Form, aber besonders auch darum, dass meine Werke Empfindlichkeit und Zerbrechlichkeit ausstrahlen", erklärt die bekannte Bildhauerin.

Die verschlungen, massiven Formen und der Holzcharakter dieser beiden Skulpturen stehen im Gegensatz zu dem Werk "Tänzer 1 und Tänzer 2" auf der Terrasse des Landtagsgebäudes. Diese beiden fünf und sechs Meter hohen Stahl- und Aluminiumformen stechen wie Nadeln in den Himmel, werden von einem kugelartigen Fundament ausbalanciert. Dass ausgerechnet diese sehr hohen Skulpturen im Garten des Landtagsgebäudes stehen, ist beabsichtigt. "Man kann sie sogar vom Schloss aus sehen, und sie sollen zeigen, dass das Landtagsgebäude ein offenes Haus ist, und dass sich die Türen für jeden Interessierten öffnen", erklärt Armin Schmitt.

"Sigrún Ólafsdóttir. Aufbruch und Umweg". Ausstellung im Landtag bis 31. Juli. Geöffnet Montag bis Donnerstag von 8 bis 17 Uhr und Freitag von 8 bis 14 Uhr.