Kunst lockt in geborgten Laden

Eine Entscheidung für die Kunst hat der Eigentümer des Hauses Nauwieser Straße 9 gefällt. Er holte drei Künstler rein. Der Palazzo Borgo ist nun das zeitweilige Domizil von Vera Loos, Ruth Bellon und Ralf Weber.

Einsam war Lucky Luke auch, doch nie so verloren wie die Helden von heute auf den Bildern von Vera Loos. Nach seinen Abenteuern ritt Lucky Luke, der Wild-West-Comic-Held, immer einem prächtigen Sonnenuntergang entgegen. Und man war sicher, er besteht auch das nächste Abenteuer. Die Helden auf den Bildern von Vera Loos tragen keinen Colt, sondern schwarzen Anzug und Krawatte. Sie kommen eher aus einer Bank als aus einem Saloon. Statt zu reiten, gehen sie zu Fuß. Wohin sie ihre Schritte lenken, ist nichts als grauer Nebel. Und man ist sicher, auch wenn sie selbst es noch nicht glauben: Das geht nicht weiter gut.

Idee gegen den Leerstand

Die Bilder von Vera Loos, große Acrylgemälde, hängen derzeit in einem Ladenlokal in der Nauwieser Straße 9. Bilder zur Bankenkrise? Die Künstlerin grinst vergnügt. Genau das will sie: beim Betrachter wilde Spekulationen auslösen. "Palazzo Borgo" hat sie den Laden in der Nauwieser Straße 9 getauft, in dem Loos derzeit mit Ruth Bellon und Ralf Weber ausstellt.

Das beweist Sinn für Ironie. "Borgo bedeutet im Italienischen Viertel, und der Laden ist ja nur geborgt," sagt die Saarbrückerin, von Haus aus Übersetzerin. Das Trio nutzt den zuvor leeren Laden als Zwischenmieter für Kunst. Das kommt im Viertel mehrfach vor.

Warum dieser Fall ein besonderer ist, erklärt Lieselotte Hartmann von der Bürgerinitiative (BI) Nauwieser Viertel. "Weil es im Viertel eine Menge Leerstand gibt, haben wir mit Tamay Zieske vom Kreativzentrum Saar alle Hauseigentümer angeschrieben und gefragt, zu welchen Konditionen sie an Künstler vermieten würden", erzählt die Sprecherin der BI. Nur einer habe sich gemeldet: Friedrich Gross, der Eigentümer der Nauwieser 9. Bei ihm bewarben sich Loos, Bellon und Weber gemeinsam. "Ich konnte ja davon ausgehen, wenn ich den Laden im Oktober nicht vermietet hab', wird das bis Jahresende nichts mehr", sagt Gross, warum ihm die Entscheidung leicht fiel.

Mit Gipsbein zur Vernissage

Trotz Gipsbein kam der Saarbrücker nebst Gattin zur Vernissage. Er sagte, es sei immer sinnvoll, Kunst zu fördern und Künstlern zu helfen, denn: "Ohne Mäzenatentum hätte es ja keinen Mozart, keinen Goethe gegeben". Für vorerst sechs Wochen überlässt er den drei Künstlern die Ladenräume, die bezahlen ihm nur die Betriebskosten, keine Miete.

Vorn zeigen die Frauen große Formate, wobei Bellons ab strakte Farbflächen mit den figurativen von Loos gut harmonieren. Im Hinterraum mit den kleinen Formaten präsentiert die Dudweilerin Bellon abstrakte Kompositionen, bei denen sie die Farben in vielen Schichten und Techniken übereinander aufträgt und wie Loos gefundene Fotos einarbeitet.

Die Lichtobjekte von Ralf Weber aus schwebenden Basaltsteinen oder Baumrinden, durch deren Astlöcher leuchtende Tieraugen blicken, runden die Schau ab. "Wir wünschen uns", sagt Loos, "dass unser Beispiel bei anderen Hauseigentümern Schule macht".

Palazzo Borgo, Nauwieser Straße 9, Mi-Fr 14-19 Uhr, Sa 12-20 Uhr, bis 28. Dezember.