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Kultursponsoring: Opposition kritisiert „Scherbenhaufen“

Kultursponsoring: Opposition kritisiert „Scherbenhaufen“

Bisher hat sich noch kein Kulturveranstalter, der vom plötzlichen Rückzug des Merziger Unternehmens Kohlpharma aus allen Kultursponsoring-Aktivitäten betroffen ist, beim Kultusministerium gemeldet, um Ersatzgelder zu erhalten. Dies wurde gestern dem Kulturausschuss mitgeteilt.

Die Tür zum ehemaligen Kultursponsor, dem Merziger Unternehmer Edwin Kohl (Kohlpharma ), soll offen bleiben. Das hörte man unisono nach der gestrigen Kulturausschuss-Sitzung zum Thema "Krise im Kultursponsoring ". Bekanntlich hat Kohl wegen des Streits um sein zurückgezogenes Engagement für den Museums-Erweiterungsbau alle seine Kultursponsoringaktivitäten gekündigt. Hauptsächlich betroffen sind das Kulturmagazin Opus, Musik & Theater Saar und die Musikfestspiele Saar. Zumindest für Letztere sind die zugesagten Kohl-Gelder für 2015 sicher. Dies war die positive Nachricht, die die Mitarbeiter aus dem Kultusministerium gestern mit in den Ausschuss brachten. Ansonsten, so die Meinung der Opposition, seien die Auskünfte "dürftig" geblieben. Mitgeteilt wurde nur Bekanntes: Um Kohl zur Einhaltung seines Pavillon-Sponsoringvertrages zu bewegen, führt die Stiftung Kulturbesitz bis 31. Dezember noch ein finales Gespräch. Danach prüft ein Gutachter die Erfolgsaussichten einer Klage, und im Februar entscheidet das Kuratorium, ob der juristische Weg überhaupt beschritten wird. Klaus Kessler von den Grünen befürchtet einen Abschreckungseffekt für andere Geldgeber und spricht von einem "Scherbenhaufen". Pirat Michael Neyses kritisiert: "Es gibt keinen Masterplan, keine Beschwichtigungsversuche, keine Angebote, einfach Nichts", um Kohl zurückzuholen.

SPD und CDU relativieren

Grundsätzlich sieht Barbara Spaniol (Die Linke ) die Sache: "Wir leben kulturpolitisch von der Hand in den Mund. Es fehlt ein Kulturentwicklungsplan. Minister Commerçon gibt keine Impulse." Die SPD-Abgeordnete Isolde Ries und der Ausschussvorsitzende Thomas Schmitt (CDU ) relativieren die Vorfälle. Das Ministerium habe dargelegt, dass bislang keine Anfragen vorlägen, damit das Land den Ausfall von Kohlpharma-Geldern übernehme. Ob und wann das Schlichtungsgespräch mit Kohlpharma terminiert ist, war auf SZ-Nachfrage vom Kultusministerium mit Hinweis auf vertragliche Geheimhaltungsklauseln nicht zu erfahren. Auch nicht, ob Kohl-pharma womöglich bereits abgesagt hat. Denn nach SZ-Recherchen im Umfeld der Sponsoren rechnet niemand damit, dass Edwin Kohl seine Meinung ändert.