Kulturschock hilft gegen Klischees

Sie drehen Kurzfilme, um verschiedene Kulturen zusammenbringen: Neun Freunde, die überwiegend aus Lateinamerika stammen, haben in Saarbrücken „Mochila Productions“ gegründet. Kenngelernt haben sie sich beim Deutschbüffeln.

Vor einem Jahr gründeten neun Freunde das Hobbyfilmprojekt "Mochila Productions" in Saarbrücken. "Wir stammen fast alle aus Lateinamerika. Aus Kolumbien und Ecuador. Nach Saarbrücken kamen wir, um zu hier studieren", beschreibt Camilo Barrero (25). Vor vier Jahren trafen sie sich im Studienkolleg an der Saar-Uni, wo sie gemeinsam Deutsch büffelten. "Wenn man in ein fremdes Land geht, ist das größte Hindernis, sich dem Land und der Kultur zu öffnen, die Sprache", sagt Diego Nunez (29), der mittlerweile sein Studium beendet hat und als Projektmanager arbeitet. Deutsch ist für die Lateinamerikaner schon lange kein Problem mehr. In Saarbrücken fühlen sie sich zuhause, verbringen ihre Freizeit miteinander und lassen sich von neuen Ideen anstecken: Kurzfilme zu drehen, um verschiedene Kulturen zusammenzubringen, war die Idee von Barrero.

"Letztes Jahr, am 20. Juli, haben wir den kolumbianischen Unabhängigkeitstag mit einem großen Fest im Wintringer Hof in Kleinblittersdorf gefeiert", erinnert sich Giulia Berstecher (22), die einzige Saarländerin im Bunde, schmunzelnd. Es gab Essen, Musik und Tanz aus Lateinamerika und das gelungene Fest zeigte, Saarländer interessieren sich für die Kultur Lateinamerikas. Aus dieser Erkenntnis entsprang wenig später die Idee, Kurzfilme zu drehen, um die Kulturen zusammenzuführen.

Ihre Filme veröffentlichen sie über eine Internetseite und YouTube. Manchmal sind es kleine Appetitmacher, wie zum Beispiel die Vorankündigung zum brasilianischen Filmfestival "Cinebrasil", das vom 1. bis 4. März im Filmhaus über die Leinwand flimmert. Manchmal sind die Streifen kritisch, wie bei "Sale", wo die Gruppe über ausbeuterische Textilproduktion informiert. Oder dokumentarisch, wie die Clips über Straßenmusiker oder den Agrarstreik in Kolumbien.

Gerade tüfteln die neun Freunde an einem Beitrag für den Anti-Rassismus-Wettbewerb "Bandsalat 2014" der Studienstiftung Saar und des Café Exodus. Am 1. März muss ihr Beitrag stehen. "Wir haben zwei Ideen, die wir diskutieren. Bei so vielen Leuten ist es nicht immer einfach, sich zu einigen", sagt Barrero und alle lachen.

Eines ist aber klar: Bei dem Kurzfilm wollen sie Klischees aufbrechen. "In Kolumbien gelten Deutsche als Nazis. Bei Kolumbianern denken hier alle an Kokain", sagt Nunez, "doch das sind Vorurteile und Klischees, die wir bekämpfen wollen." In Südamerika bezeichnet der Ausdruck "Mochila", den sie für ihren Namen verwenden, den Rucksack, aber auch die Umhängetaschen aus gewebten Naturfasern, die von den Ureinwohnern, den Indios, gefertigt werden. "Solche hier", sagt Maria Fernanda Almeida (23) und streckt ihre bestickte Tasche in Luft. "Die Indianer in Lateinamerika laufen hunderte von Kilometern und transportieren in ihren Mochilas ihre Geschichten und ihre Kultur", erklärt Nunez, "und auch wir haben unsere Taschen hierher mitgebracht." Mit ihren Kurzfilmen erzählen sie nun von sich und ihrem Blick auf die Welt. Aber sie füllen ihre Taschen auch mit neuen Erfahrungen. "Mein erster Kulturschock war, dass hier Frauen und Männer nicht gemeinsam als Paar tanzen, sondern auch Frauen mit Frauen tanzen. In Lateinamerika sieht man das nie. Mittlerweile tanze ich auch mit Frauen", sagt die 33-jährige Biberledy Molina (33) lachend.

Die Gruppe ist offen für alle, die an Multikulturalität und eine bessere Gesellschaft glauben. "Einfach melden", sagt Barrero.

"Mochila" sucht Unterstützung. Infos im Internet:

mochilapro.wix.com/mochila