Künstler huldigt Klang der Straße

Saarbrücken. Der Neue Saarbrücker Kunstverein geht dorthin, wo etwas passiert und lädt zur zeitlich begrenzten und ortsbezogenen Kunst zwischen Performance, Aktion und Konzert. So viel Mobilität braucht ein ebenbürtiges Gegenüber. Bevorzugt sind es Autos, ob sie nun parken oder fahren

Saarbrücken. Der Neue Saarbrücker Kunstverein geht dorthin, wo etwas passiert und lädt zur zeitlich begrenzten und ortsbezogenen Kunst zwischen Performance, Aktion und Konzert. So viel Mobilität braucht ein ebenbürtiges Gegenüber. Bevorzugt sind es Autos, ob sie nun parken oder fahren.Der Saartoto-Parkplatz mit dem leer stehenden Parkwächterhäuschen wurde zum "Zentrum für Kunst und Parken" erklärt. Doch das Epizentrum jeglicher Mobilität liegt gleich dahinter: die dröhnende Stadtautobahn.

Das Wahrzeichen Saarbrückens wählte sich der in Essen agierende Klangforscher und Experimentalmusiker Sisto Rossi, auch bekannt als "Earth Chaos", auf Einladung des Kunstvereins für sein situatives Konzert "Für eine Stadtautobahn": ein Konzert mit Orchester und Solisten unter der Westspange.

Gespannt verfolgten die Gäste des Konzertexperiments unter der Westspange, wie Sisto Rossi (Zweiter von links) die Geräusche der Stadtautobahn in ein Konzert einbaute. Foto: Iris Maurer.
Gespannt verfolgten die Gäste des Konzertexperiments unter der Westspange, wie Sisto Rossi (Zweiter von links) die Geräusche der Stadtautobahn in ein Konzert einbaute. Foto: Iris Maurer.
Gespannt verfolgten die Gäste des Konzertexperiments unter der Westspange, wie Sisto Rossi (Zweiter von links) die Geräusche der Stadtautobahn in ein Konzert einbaute. Foto: Iris Maurer.

Der Feierabendverkehr auf der Stadtautobahn gegenüber und die beiden knatternden Motoren direkt unter der Brücke brummten und dröhnten schon als monströses Orchester ihren Part. Lange bevor der Solist auf Knien 20 Minuten an seinem auf einem niedrigen Tisch platzierten, umgebauten Synthesizer zu drehen begann. "Zwei Drittel des Konzerts laufen schon", sagt Peter Strickmann vom Neuen Saarbrücker Kunstverein, während das Publikum eintrifft. Und sie laufen noch immer, gibt er Nachzüglern zu verstehen. Rossi beginnt sein Solo und baut ein von der Akustik unter der Brücke verstärktes Kraftfeld, das die Stimmen der Schnellstraße mit ihren eigenen Rauschmitteln überwältigt und auf ihrem Sausen seine Klänge ausbreitet. Seine Zuhörer stehen herum, gehen auf und ab, setzen sich an die Uferböschung und tippen versonnen in ihr Smartphone. So als wär's ein ruhiger Platz. Fürwahr ein Idyll, verstanden als ein Ort, an den niemand mehr gelangt: Das Reich der Stille, das hier so fern wie nur irgendetwas scheint. Denn die Autobahn schweigt nie.