„Künstler denken mit dem ganzen Körper“

Karlsbrunn verbindet man nur schwerlich mit dem Gedanken an Kunst, doch das erste Künstlergespräch hat es bewiesen: Wenn man das Jagdschloss achtsam bespielt, kann es zum kulturellen Kleinod werden.

Das Fenster des Gartenzimmers ist weit geöffnet und lenkt den Blick hügelwärts in die schöne baumbestandene Anlage. Eine Flötenspielerin ertastet den Schlossgarten mit Musik. Scherenschnitte an den Wänden zitieren barocke Zeiten. Moderator Peter Michael Lupp beginnt das Gespräch mit einem Plädoyer für die Langsamkeit. Für den Regionalentwickler ist das Karlsbrunner Jagdschloss ein Refugium, das achtsam bespielt werden will.

Zum ersten Künstlergespräch hat Lupp den Maler Nicola Dimitrov und den Holzbildhauer Thomas Wojciechowicz geladen. Im Gespräch kristallisieren sich Unterschiede und Gemeinsamkeiten heraus. Dimitrov, Jahrgang 1961, ist in Mettlach aufgewachsen. Die Mutter war Keramikerin. Er studierte Klaviermusik, war aber immer auch visuell geprägt. "Nach dem Musikstudium musste ich ausbrechen und malen" sagt Dimitrov, und dass er seit acht Jahren nur mit Malerei unterwegs sei. Ateliers in Heusweiler und Köln zeugen von seinem "beharrlichen Dranbleiben".

Thomas Wojciechowicz, der Holzbildhauer, Jahrgang 1953, arbeitet zurückgezogen in einem alten Schloss in Fremersdorf. In der bäuerlichen Idylle von Kirchheim-Bolanden habe er als Kind die Briefmarken seiner Schweizer Großmutter abgezeichnet, nach dem Abi eine Bewerbungsmappe zusammengebastelt und in Karlsruhe Kunst studiert.

Kunstwerke sind Wojciechowicz Ansicht nach immer für Öffentlichkeit gedacht. "Die Arbeit trägt es implizit in sich, der Zuschauer ist Teil der Arbeit, er ist mitgedacht, er gibt den Impuls, um weiterzumachen oder aufzuhören." Auch für Dimitrov sind Kunstwerke, egal ob Projekt, Bild, Installation, Mitteilungen an Menschen. "Man wünscht sich ein Feedback, damit es neue Impulse gibt", sagt er. Die Teilhabe an Kulturpolitik finden beide nicht erstrebenswert. Sie sehen die Rolle des Künstlers distanzierter, auch nuancierter. "Künstler denken nicht nur vom Kopf her, sondern mit dem ganzen Körper", erläutert der Bildhauer Wojciechowicz.

Doch zurück zum Kulturort Jagdschloss Karlsbrunn: Moderator Peter Lupp sagte, er könne sich vorstellen, dass Künstler mit ihrer Begabung den Ort erspüren, ein Thema finden und erarbeiten. Das Jagdschloss sei ein schöner Ort, und man könne hier sicherlich Dinge entwickeln, die Spaß machen, antwortet Thomas Wojciechowicz. Nicola Dimitrov erklärt, er habe im Garten eine fragmentarische Vision gehabt, eine Farbe gesehen, die vielleicht Anlass wäre, damit zu arbeiten. Ein Kulturort wie das Jagdschloss kann also auch künstlerischer Fundort sein.

grossrosseln.de

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HintergrundSchloss Karlsbrunn: Fürst Ludwig von Nassau-Saarbrücken (1768 bis 1793) ließ das Gebäude als Jagdschloss errichten. 1840 ging es in den Besitz der preußischen Forstverwaltung über. Der Küchengarten hinter dem Schloss wurde zum Versuchsgarten. Einige exotische Bäume stammen noch aus dieser Ära. 2008 wurde das Gelände nach alten Plänen im Rahmen von "Gärten ohne Grenzen" gestaltet. Das Schloss wird behutsam restauriert. Die Gemeinde Großrosseln und der Regionalverband entwickeln Konzepte für Schloss Karlsbrunn als Ort der Kunst und Kultur. hof