Krieg und Gefangenschaft klingen im Triptychon nach

Saarbrücken. 2009 wäre der Maler Fritz Berberich 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Grund zeigt Michael Kühr, der den Nachlass dieses begabten saarländischen Künstlers verwaltet, passend zur Osterzeit die Passionsbilder von Fritz Berberich. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht das großformatige Triptychon "Madonna hinter Stacheldraht"

Saarbrücken. 2009 wäre der Maler Fritz Berberich 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Grund zeigt Michael Kühr, der den Nachlass dieses begabten saarländischen Künstlers verwaltet, passend zur Osterzeit die Passionsbilder von Fritz Berberich. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht das großformatige Triptychon "Madonna hinter Stacheldraht".

In diesem Gemälde aus dem Jahr 1956 verarbeitete Fritz Berberich Kriegserlebnisse und seine Zeit in Gefangenschaft. Ähnlich wie in einer Pietà-Darstellung wird ein Gefangener gehalten, daneben sitzt eine junge Frau mit ihrem Kind im Arm.

Auffällig an diesem Gemälde sind die expressionistische Formensprache, die kraftvolle und dynamische Komposition und die ausdrucksstarken, klaren Farben. Um dieses Gemälde sind in der Ausstellung kleine Zeichnungen gruppiert, Pastelle und Tuschzeichnungen.

Sie sind während Fritz Berberichs Kriegsgefangenschaft 1945 bis 1946 in Belfort in Frankreich entstanden, was ein Stempel der Lagerkommandatur bezeugt. Mit diesen Pastellen hat sich Fritz Berberich sein Elend von der Seele gemalt. Er hat die Leidensgeschichte Christi dargestellt, in glühenden, bunten Farben, abstrahierter Darstellungsweise und expressionistischen Formen.

Es sind Zeichnungen mit religiösem Inhalt, aber Fritz Berberich meinte sie als Metapher. Denn er zeichnete hier nicht nur den leidenden Christus, sondern auch die eigene Verzweiflung, das eigene Ausgeliefertsein in Krieg und Gefangenschaft.

Die Vehemenz der Darstellung überrascht, die Farben und der Zustand der Blätter sind beeindruckend frisch. Diese Zeichnungen dienten Fritz Berberich nach dem Krieg auch als Vorlagen, denn die Themen wurden später in größeren Aquarellen nochmals umgesetzt.

So entstanden Kreuzigungsszenen, die inmitten einer Straßenszene der 50er Jahre stattfinden. Fritz Berberich hat diese religiösen Themen ins Zeitgeschehen gesetzt. Das macht diese Blätter so aktuell, besonders in der Osterzeit.

Ergänzt werden diese religiösen Blätter in der sehenswerten Ausstellung von Porträtdarstellungen. Denn eine weitere Leidenschaft Berberichs waren seine Familienmitglieder und Mitmenschen, die er sowohl expressionistisch, als auch im Stile der Neuen Sachlichkeit ausdrucksstark porträtiert hat.

Ausstellung "Fritz Berberichs große Passion - Ecce Homo" in der Nauwieser 19, Nauwieser Str. 19, 66111 Saarbrücken. Eröffnung heute, Dienstag, 7. April, 19 Uhr. Geöffnet bis Samstag, 19. April, täglich von 14 bis 18 Uhr, Freitag, Samstag, Sonntag 14 bis 20 Uhr.