Kreuzweg besticht mit moderner Formensprache

Manchmal, wenn die Zeit im Gottesdienst lang werden will, gleitet der Blick im Innern der Kirche umher. Da kann es vorkommen, dass er Dinge entdeckt, bei denen er ein wenig verweilt, Farben, Formen, Botschaften oder Hintergründe zu erkunden sucht. Eine kleine Artikel-Reihe soll dabei hilfreich sein, indem sie die Aufmerksamkeit auf jene größeren oder kleineren Schätze der Kirchen lenkt, ihre Gestalt und ihre Bedeutung darlegt. Heute stellen wir die Glasmalereien der katholischen Pfarrkirche St. Jakob in Saarbrücken vor.

Unweit der evangelischen Ludwigskirche erhebt sich der Turm von St. Jakob über die Dächer der Stadt und kündet von einer wechselhaften Geschichte: Erbaut in den Jahren 1885 bis 1887 als Hallenkirche mit zwei Seitenkapellen wurde das katholische Gotteshaus zwanzig Jahre später um ein Querschiff erweitert. Doch schwere Bombardierungen im Jahr 1944 haben es bis auf die Außenmauern und den beschädigten Turm zerstört.

Wenn auch das frühere Gewölbe im Zuge des Wiederaufbaus durch eine flache Kassettendecke ersetzt wurde, so verfügt das Gebäude doch heute über ein schön geschmücktes Inneres. Neben aufwändigen Schnitzarbeiten (Weihnachtskrippe, Beichtstuhl) ziehen vor allem die Glasmalereien des Trierer Künstlers Rudi Schillings (1925-2003) den Blick auf sich. Während die zwei großen Fenster der Eingangsfront und die jeweils vier im Langhaus mit ihren zart kolorierten, im Bauhausstil versetzten Rechteckformen eher ruhig und unspektakulär einherkommen, brechen die Schillingsschen Buntglasfenster das Licht in strahlenden Farben.

Figuren und wogende Formen

Im oberen Bereich des linken Querschiffs weisen figürliche Darstellungen inmitten ornamental wogender Formen hin auf die Taufe, die Verkündigung, die Ankunft des Heiligen Geistes und die Aufforderung Jesu an seine Jünger "Gehet hin in alle Welt und lehret". In der unteren Fensterreihe dann leuchten Tropfenformen in Rot, Weiß und Blau - sie sind an diesem Ort wohl als Symbol des Heiligen Geistes zu verstehen. Vielschichtiger wird es in den drei hohen Fenstern des Chores, die in jeweils mehreren Szenen unterschiedliche Geschichten erzählen. Im ersten und im dritten könnte es sich um Episoden aus dem Leben des Kirchenpatrons Jakobus dem Älteren handeln, während im mittleren Fenster eindeutig die Kreuzigung und das letzte Abendmahl zu sehen sind. Über der Orgel dann erstrahlt die Heilige Cäcilia mit der Harfe inmitten geometrisch facettierter Farbfelder.

Aus vorwiegend geometrisch geschnittenen Buntglasscheiben hat Schillings denn auch die 14 beeindruckenden Tafeln des Kreuzwegs gestaltet. Mit ihrer modern anmutenden Formsprache und dem ungewöhnlichen Material sind sie ein wahres Kleinod im Innern dieser Kirche.