Kramp-Karrenbauer will Büttenreden ans Museum schreiben

Büttenreden statt Landtagstexten am Saarlandmuseum, und eine gesetzliche fünfte Jahreszeit. Derart würde Kramp-Karrenbauer im Narrenland regieren. An großen Plänen kann sie während der Pflege eines kleinen Bonsais basteln.

Einen visionären Plan hat Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU ) gestern beim traditionellen Narrenempfang für den Verband Saarländischer Karnevalsvereine (VSK) vorgestellt. Sie will das Saarland nicht dergestalt umstrukturieren, dass es zu einem Großbundesland mit Rheinland-Pfalz und Hessen fusioniert. "Lasst uns Nägel mit Köpfen machen und das Saarland wird offiziell zum Narrenland", so ihr Vorschlag vor den mehr als 500 Karnevalisten. Die fünfte Jahreszeit würde dann offiziell und könnte per Gesetz sogar verlängert werden. Das Kabinett könne einem Elferrat weichen. Und an den vierten Museumspavillon könnte man statt Landtagstexten die besten Büttenreden schreiben. Dass diese dann im Dialekt gehalten wären, macht ihr auch beim bajuwarischen Vorstoß zum Erhalt des Hochdeutschen keine Sorgen. Offenbar will sie den Süddeutschen die Stirn bieten: "Ich finde es lustig, wenn sich ausgerechnet die Bayern zu Hütern der deutschen Sprache aufschwingen - Wo simmer dann?"

Die jüngste Kabinettsumbildung thematisierte auch VSK-Präsident Horst Wagner. Er verglich die Landesmutter mit einer vorzüglichen Köchin: "Ihr ist es gelungen, aus einer einfachen Sankt Wendeler Bouillon eine köstliche saarländische Ministerone zu machen." Während die qualmenden Köpfe in den VSK-Vorstandssitzungen diesen Wortwitz hervor gebracht haben, waren die Überlegungen, ein passendes Geschenk für die Landesmutter zu finden, erfolglos. Da aber laut Landes-Marketing Großes im Kleinen entsteht, überreichte Wagner einen Bonsai.

Die Vertreter der rund 100 vertretenen Vereine lächelte die Ministerpräsidentin ausdauernd für zig Fotos an - auch wenn die Last der ihr überreichten Sessionsorden immer schwerer wurde. Unter den mehr als 50 Prinzenpaaren entdeckte Kramp-Karrenbauer sogar ein deutsch-französisches Pärchen: Tollität Pascal und Lieblichkeit Sarah Rohr von den Auersmacher Kowe. Er informierte: "Meine Frau Sarah ist Französin, wir sind Prinzenpaar geworden, weil unsere Tochter Leslie Gardetänzerin bei den Kowe ist." Den Begrüßungs-Salut mit Vorderladern und Kanone hatte zu Beginn des Empfangs traditionsgemäß der Lauterer Artillerie-Korps übernommen.

Zum Thema:

HintergrundDer traditionelle Narrenempfang fand in diesem Jahr bereits zum 47. Mal statt. Im Jahr 1969 hat der damalige Ministerpräsident Franz-Josef Röder diesen Empfang für den Verband Saarländischer Karnevalsvereine ins Leben gerufen. Aufgrund seiner wachsenden Beliebtheit und des großen Erfolgs hielten die nachfolgenden Ministerpräsidenten dem Narrenempfang die Treue. al