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Kompetenzen statt Abschreckung

Um Mitschüler zu mobben, nutzen Täter häufig Smartphones oder soziale Netzwerke. Foto: Marks/dpa
Um Mitschüler zu mobben, nutzen Täter häufig Smartphones oder soziale Netzwerke. Foto: Marks/dpa FOTO: Marks/dpa
Saarbrücken. Schülern Sozialkompetenzen zu vermitteln, sei eine wirksamere Gewaltprävention als auf Abschreckung durch Gefängnisbesuche zu setzen. Das entgegnet das Bildungsministerium auf einen Vorschlag der CDU. Ute Kirch

Schreckt ein Besuch in einem Gefängnis Schüler vor Straftaten ab? Die CDU im Landtag hatte in einem Paket für besseren Opferschutz gefordert, im Lehrplan festzuschreiben, dass alle Schüler bis zur 10. Klasse einmal eine Polizeiinspektion, eine Strafverhandlung und eine Vollzugsanstalt besucht haben sollen. Durch die Besuche könnten sie hautnah erleben, welche Folgen eine Straftat haben kann (wir berichteten).


Aus dem SPD-geführten Bildungsministerium hieß es dazu am Freitag: "Eine Untersuchung zur präventiven Wirksamkeit von Maßnahmen, die darin bestehen, dass Schüler in ihrer Schulzeit eine Strafverhandlung und ein Gefängnis besucht haben und Polizisten, Richter und Bewährungshelfer regelmäßig in den Unterricht eingeladen werden, ist uns nicht bekannt." Wirksamer als die Abschreckung sei Gewaltprävention , die in den Schulen angeboten würde. Hier gebe es zahlreiche Programme etwa "Klasse 2000", "Erwachsen werden" oder gewaltfreies Konfliktmanagement durch Mediation sowie Wettbewerbe zur Förderung von Toleranz und Zivilcourage. Dadurch würden den Schülern Lebens- und Sozialkompetenzen vermittelt. Diese seien "die wirkungsvollste Vorbeugung" gegen Versagen in der Schule, Jugendkriminalität, Gewaltbereitschaft und Missbrauch von Suchtmitteln.

Darüber hinaus hatte die CDU-Fraktion spezielle Kurse für Schüler und Lehrer im Umgang mit dem Thema Cybermobbing gefordert, da immer mehr Jugendliche Opfer von Beleidigungen in den sozialen Netzwerken würden. Das Ministerium verweist hier auf bestehende Angebote zum Thema Mobbing sowie auf die neue AG Cybermobbing, an der neben der Landesmedienanstalt Saar und dem Landesinstitut für Präventives Handeln auch das Landesinstitut für Pädagogik und Medien sowie das Landespolizeipräsidium teilnehmen. Gemeinsam soll ein Konzept erarbeitet werden, damit ab 2017 Fortbildungen und Workshops für pädagogische Fachkräfte, Eltern und Schüler angeboten werden können.



Die Grünen im Landtag unterstützen die Forderung nach speziellen Kursen gegen das Cybermobbing. "Gerade das Problem des Cybermobbings ist durch die wachsende Beliebtheit der sozialen Netzwerke in den vergangenen Jahren immer größer geworden. Wüste Beschimpfungen und Beleidigungen sind an der Tagesordnung", sagt der Abgeordnete Klaus Kessler . Diese Präventionsmaßnahmen müssten jedoch mit einem Ausbau der Schulsozialarbeit und der Jugendhilfe einhergehen. "Für den Bereich der Schulsozialarbeit fordern wir daher, an jeder größeren Grundschule und jeder weiterführenden Schule mindestens eine Vollzeitstelle einzurichten", sagte Kessler. Insgesamt gingen die Vorschläge der CDU zur Stärkung des Opferschutzes in die richtige Richtung, doch sehe seine Fraktion den Vorschlag kritisch, Gefängnisbesuche im Lehrplan zu verankern. Es sei fragwürdig, ob dieses Vorgehen Wirkung zeige. So hatte das Saar-Justizministerium der SZ mitgeteilt, dass solche Besuche bei Schülern häufig einen "Eventcharakter" darstellten. Die Grünen sehen auch praktische Hindernisse der JVA-Besuche: "Wir bezweifeln, dass die JVAs aufgrund ihrer ohnehin schon geringen Personalkapazitäten dies organisatorisch stemmen könnten."