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Kommerz durch satirische Brille

Der musikalische Kabarettist Hans Georgi gastierte im Rahmen der Reihe „Kultur im Museum“ bei einem Kabarettabend in der Gustavsburg in Jägersburg. Foto: Bernhard Reichhart
Der musikalische Kabarettist Hans Georgi gastierte im Rahmen der Reihe „Kultur im Museum“ bei einem Kabarettabend in der Gustavsburg in Jägersburg. Foto: Bernhard Reichhart FOTO: Bernhard Reichhart
Jägersburg. Der Kabarettist Hans Georgi alias „der kleine Maschmeier“ nimmt in seinem Programm „Ich will dein Geld“ jede Facette des Verkaufens auf die Schippe. Jetzt war er in der Jägersburger Gustavsburg in der Reihe „Kultur im Museum“ zu Gast. Bernhard Reichhart

In atemberaubender Geschwindigkeit werden Giftpfeile auf erfolgssüchtige Manager, Werbeagenten, sensationsgeile Journalisten und Politiker abgeschossen. Man musste schon gut zuhören, um keine der zahlreichen hintergründigen Pointen zu verpassen. Bestens unterhalten wurden die Besucher bei einem Kabarettabend in der Gustavsburg. Leider fanden nur wenige Freunde des Kabaretts den Weg zu dieser Veranstaltung. Ob es am sommerlichen Wetter, an fehlender Werbung im Vorfeld oder an dem in der Region vielleicht wenig bekannten Kabarettisten lag, das sei mal dahin gestellt.

Im Rahmen der Reihe "Kultur im Museum" gastierte der musikalische Kabarettist Hans Georgi alias "Der kleine Maschmeier" mit dem Programm "Ich will dein Geld " in der Gustavsburg in Jägersburg . Angesichts der fast tropischen Temperaturen konnte der Beauftragte für Kultur und Tourismus, Raimund Konrad, lediglich ein kleines, aber feines Publikum im Saal der Gustavsburg willkommen heißen. Auch wenn der Zuspruch zu wünschen übrig ließ, versprach er den wenigen Besuchern ein Vergnügen mit dem kleinen Maschmeier. "30 Prozent auf alles, 40 Prozent auf gar nichts, 50 Prozent, wenn Sie nichts kaufen" - mit diesem Rabattangebot eröffnete Georgi ein gut zweistündiges Bühnenprogramm. Geboten wurde ein satirisches Seminar rund ums Kaufen und Verkaufen mit dem Seminarleiter und Spitzenverkäufer Heinrich Top. In seiner Rolle als "Günter der Einklatscher" brachte Georgi die Besucher nicht nur auf die entsprechende Betriebstemperatur ("Hossa, Hossa"), was jedoch angesichts des warmen Wetters nicht schwer war, sondern plauderte auch ein wenig über seine Erlebnisse aus Talkshows bei RTL. Im Anschluss referierte Gastdozent "Der kleine Maschmeier" über seine Herkunft ("Ich komme aus ärmlichen Verhältnissen"), seine Freunde Gerhard Schröder und Christian Wulf beziehungsweise über seine "erfolgreichen" Geschäftsmethoden. Danach begann der Hauptreferent Heinrich Top schließlich mit dem eigentlichen Verkaufsseminar.

Es handelte einerseits von einem Vertreter, der ein Produkt verkauft, aber andererseits auch vom Volksvertreter, der ein Volk verkauft. "Wir reden über Spitzenverkäufer und nicht über Weicheier", stellte Heinrich Top klar. Neben den Textpassagen streute Hans Georgi immer wieder die entsprechenden musikalischen Einspielungen ein, welche auch die letzte Wahrheit über das Verkaufen aufdeckten. "Augenblick bitte, ich verbinde Sie". So war bei einem Drogenabhängigen, der sich gerade einen Schuss setzen wollte, das Lied "Am Tag als Conny Kramer starb" von der Schlagersängerin Juliane Werding zu hören.

Auf einen Boxer, welcher zum ersten Mal in den Ring steigt und sich fürchtet, von seinem Gegner niedergeschlagen zu werden, ertönte die Melodie "Blue Eyes". Georgi nahm an diesem Abend jede Facette des Verkaufens durch die Brille der Satire auf die Schippe. Er zog teilweise beklemmende Parallelen, so dass dem aufmerksamen Zuhörer in der Gustavsburg manchmal das Lachen im Halse stecken blieb.