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So kann’s gehen
Beim Putzen die Kindheit entdeckt

Von Daniel Novickij

Neulich als ich beim Hausputz mein Regal entstaubte, entdeckte ich hinter meiner Schulbuchsammlung, ein kleines rotes Notizheft. Versteckt, von Staub bedeckt und unscheinbar. Ich griff danach, schlug es auf, glitt mit dem Zeigefinger über die handschriftlich verfassten Seiten. Es war, als ob es gestern gewesen wäre: Ich kam als kleiner Junge aus der Schule. Meine Mutter erwartete mich mit wohlduftendem Essen. Nachdem ich mir meinen Bauch vollgestopft hatte, ging ich in mein Zimmer. Ich schloss die Tür ab, zog die Vorhänge zu. Dann schritt ich zum Schreibtisch, öffnete eine Schublade, nahm einen Stift und ein kleines rotes Notizbuch heraus.


Während die Nachbarskinder im Hof Fußball spielten oder die Mädchen aus der Schule ärgerten, schrieb ich. Ich schuf mein eigenes Universum. Aus meiner Tinte entstanden Drachen, Trolle und Elfen. Durch mein Wort erweckte ich sie zum Leben. Sie liefen durch mein Zimmer, spielten Fangen miteinander. Danach nahmen sie mich mit, in ihre eigene Welt. Ich wanderte durch ein Tal voller mysteriöser Kreaturen. Ich stieg in die Luft auf, flog über eine Landschaft voller Fabelwesen. Und als meine Reise  endete, legte ich den Stift nieder und schlug mein kleines rotes Notizbuch zu. Jetzt dachte ich: Schon überraschend, was man alles beim Putzen entdeckt.