Knapp 20 Jahre alt und schon Musikdirektor

Knapp zwei Jahre lebte der berühmte Wagner-Dirigent Hermann Levi (1839-1900) in Saarbrücken. An seinem ehemaligen Wohnhaus ließ der Richard-Wagner-Verband eine Gedenktafel anbringen (wir berichteten). Der Verbandsvorsitzende Wolfgang Schug weiß viel über das Verhältnis zwischen Wagner und Levi und die Bedeutung Levis für das Saarbrücker Musikleben.

Einst hatte sie der Verkehrsverein Saarbrücken an Hermann Levis Wohnhaus in der Wilhelm-Heinrich-Straße 20 angebracht. Doch nach der Fassadensanierung sei die Gedenktafel verschwunden, erzählt Wolfgang Schug, Vorsitzender des Richard-Wagner-Verbands (RWV). Daher soll die neue Gedenkplakette des RWV, "an den bedeutenden Musiker erinnern, um den Saarbrücker Bürgern seinen Namen wieder ins Gedächtnis zu rufen". Es bleibe zu hoffen, "dass die Gedenkplakette ihren Teil zum gegenseitigen Verständnis der christlichen und jüdischen Bürger beiträgt", sagte Schug.

Der Jude Hermann Levi hatte, so auch im Laufe des wechselhaften Verhältnisses zu Wagner, mit heftigen Vorurteilen zu kämpfen: "Zu Levi war Wagner charmant, wenn er ihn brauchte, hochfahrend, wenn er sich ärgerte, und überströmend bei Versöhnungen, aber auch immer wieder voller antisemitischer Ressentiments", sagt Schug. "Er versuchte gar, ihn zu überreden, zum Christentum überzutreten, was Levi nicht tat." In seinen Saarbrücker Jahren von September 1859 bis Mitte 1861 stand Levi am Anfang seiner Karriere: Knapp 20-jährig erhielt er hier nach Studien in Mannheim und Leipzig sein erstes Amt als Musikdirektor, erzählt Schug, und "erwarb sich durch Können und Engagement hohes Ansehen in der Stadt".

In einer Epoche, als Musik und Theater auf rein privater Basis organisiert wurden, leitete Levi "alle führenden Saarbrücker Musikvereine: den Instrumentalverein, den Gesangsverein, die Liedertafel und ab 1861 zusätzlich den aus der Liedertafel hervorgegangenen Männergesangsverein ´Eintracht von Saarbrücken und St. Johann'".

Unter Levis Ägide "erreichten die Chor- und Orchesterkonzerte ein bisher unbekanntes Maß an Qualität", so Schug, "und die Vielfalt an Werken, die er innerhalb kurzer Zeit mit den Laiensängern und Laienmusikern einstudierte, rief Bewunderung hervor."

Bei Abonnements- und Sonderterminen erklangen Sinfonien und Ausschnitte aus Opern und Oratorien , hierzu lud Levi auch auswärtige Gastmusiker ein. Er führte die Klassiker Haydn, Mozart und Beethoven auf und machte das Publikum mit damals noch jungen Werken Felix Mendelssohn-Bartholdys und Robert Schumanns bekannt.

Freundschaftlich verbunden war Levi dem Saarbrücker Komponisten Théodore Gouvy, sagt Schug - er dirigierte dessen Symphonie Nummer 2 F-Dur, Opus 12 und schrieb ein Orchesterwerk Gouvys (Hymne et marche triomphale, op. 35) für Klavier zu vier Händen um. Auch als Komponist und am Klavier lernten die Saarbrücker Hermann Levi kennen, so Schug: "In seinem Abschiedskonzert am 14. Mai 1861 wurden zwei seiner Lieder uraufgeführt; er selbst trug sein einziges Klavierkonzert vor."

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Zur Person Hermann Levi (1839- 1900) war Dirigent und Komponist. Er stammt aus Gießen. Nach Stationen in Saarbrücken , Mannheim, Rotterdam und Karlsruhe war er ab 1872 Generalmusikdirektor und Hofkapellmeister in München. Levi wurde vor allem als Wagner-Dirigent berühmt, etwa durch die Uraufführung des "Parsival", und war noch nach Wagners Tod lange führender Dirigent in Bayreuth. uhr