Klezmer in Wellesweiler

Begeisterung herrschte am Sonntag in der Paul-Gerhardt-Kirche Wellesweiler. Das Saarbrücker Chor-Ensemble „Frauen-Stimmen“ und das Klezmer-Ensemble „Jung und freylach“ traten vor gut gefüllten Bänken aus.

. Klezmer erfreue sich in Deutschland stetig wachsender Beliebtheit, da ist man sich bei dem Saarbrücker Chor-Ensemble "Frauen-Stimmen" sicher. Dass die traditionelle jüdische Musik offenbar längst keine Spartenmusik mehr nur für Liebhaber ist, bestätigte das große Interesse an dem Konzert am Sonntagabend: Immer mehr Besucher, die sich das gemeinsame Programm von "Frauen-Stimmen" und dem Klezmer-Ensemble "Jung und freylach" ansehen wollten, erschienen in der Paul-Gerhardt-Kirche in Wellesweiler und füllten die Bänke schließlich von der ersten bis zur letzten Reihe. "Es freut mich sehr, dass es so voll geworden ist", sagte Pfarrer Bertram Weber, der die Besucher begrüßte, und versprach: "Viel stimmungsvolle Musik erwartet uns!" "Jung und freylach", das sind Rita Jung (Gesang), Julia Ewert (Geige) und Michael Jung (Akkordeon), wurden an diesem Abend von dem Kirchenmusiker der evangelischen Kirchengemeinde Wellesweiler, Nino Deda, am Klavier und am Akkordeon unterstützt. Die künstlerische Leitung lag bei der Chorleiterin Amei Scheib.

Einige wenige Sängerinnen standen anfangs nur im Chorraum und stimmten "Spilshe mir a Lidele in Jiddisch" an, das titelgebende Lied des Konzertprogramms. Von rechts und links kamen nach und nach immer mehr Frauen hinzu, bis der Chor in der Fülle all seiner Stimmen erklang. Mit weiteren leichten, lebensfrohen Melodien wie "A Tänzl" oder "Oifn Pripetschik" wurden die Zuhörer abgeholt und in die Welt der Volkskultur vor allem osteuropäischer Juden entführt.

Doch bald wurde es mitunter melancholisch: "Dort über dem Ozean bist du und die Liebe kommt nicht zu ihrem Recht", klagt in dem Lied "Oj dortn, dortn" ein Amerika-Emigrant, der sich nach der Geliebten in der fernen Heimat sehnt.

Auch solche Lieder, die zur Zeit der Judenverschleppung und -ermordung durch die Nationalsozialisten entstanden sind, gehörten dazu. Lieder, die in Ghettos gesungen wurden und die von Hilflosigkeit, aber auch von Hoffnung künden, so das bekannte und berührende "Zog nit keymol": "Sag nie, du gehst den letzten Weg". Auf Moderation verzichtete man, es folgte Lied auf Lied. Wer noch ein Programm ergattert hatte, konnte die Titel und Bedeutungen darin nachlesen.

Abwechslungsreich erklangen auch mal mehrstimmige, sowie instrumentale Stücke, kleine Überraschungen, wie dass die Frauen bei "Diregelt" plötzlich zu tanzen begannen, lockerten den Abend auf. Warm und angenehm klang die Stimme der häufig als Solistin in Erscheinung tretenden Rita Jung vom Klezmer-Ensemble. Vom Chor sangen als Solistinnen Brigitte Henkes, Ute Fritsch-Scherer, Nikola del Fabro, Eva Ohnesorg und Uschi Küster.