Kinder sind auf Schulweg in Gefahr

Gemeinsam mit Schulen und Polizei will die Stadtverwaltung die Kinder im Straßenverkehr besser schützen.

Der Schulweg ist für Kinder oft gefährlich: Schuld daran sind zum Beispiel manche Autofahrer, die beim Abbiegen die grüne Fußgängerampel nicht beachten, während die Schüler über die Straße laufen, oder Eltern, die ihre Kinder im Auto nicht anschnallen. Dass Kinder im Straßenverkehr gefährdet sind - nicht nur auf dem Schulweg - belegt die Statistik der Polizei. Im ersten Quartal 2017 registrierte sie in Saarbrücken 20 Unfälle mit Kindern. In 18 Fällen wurden Kinder leicht- oder schwerverletzt: darunter sechs Fußgänger, 10 als Mitfahrer im Auto, eins auf dem Fahrrad. Im ersten Quartal 2016 waren es noch 15 Unfälle gewesen, wobei 12 Kinder verletzt wurden, davon alleine fünf als Fußgänger. Insgesamt registrierte die Polizei im vergangenen Jahr in Saarbrücken 52 Unfälle, an denen Kinder beteiligt waren.

Mehr als die Hälfte der Jungen und Mädchen, die landesweit verunglückten, saßen beim Unfall als Mitfahrer im Auto. Die Zahlen der verletzten Radfahrer und Fußgänger sind gegenüber 2015 gestiegen, nachdem sie von 2013 bis 2015 gesunken waren. Die Statistik sagt aber auch: Die Zahl der schwerverletzten Kinder im Saarland sank 2016, dafür gab es deutlich mehr Leichtverletzte, zwei Kinder starben bei Unfällen.

Nun will sich die Stadt Saarbrücken verstärkt dem Sicherheits-Thema auf dem Weg zur Schule widmen. So steht es im neuen Verkehrsentwicklungsplan. Darin steht auch, dass laut Kinderunfallatlas 2010 die Stadt unter 65 Großstädten nur auf Rang 49 landete. Die Zahl der verunglückten Kinder sei zwar gesunken, aber nicht so stark im Vergleich zu anderen Städten. Nadja Bautz vom Stadtplanungsamt sieht den Grund darin, dass andere Kommunen sich des Themas früher angenommen hätten. Mit einem Pilotprojekt für mehr Sicherheit auf dem Schulweg startet die Verwaltung in Dudweiler und Scheidt. Mit dabei sind die Turmschule Dudweiler, die Grundschule Scheidt und die Kindertagesstätte in Scheidt. Verschiedene Maßnahmen wären möglich: Tempo-30-Zonen, veränderte Ampelschaltungen oder breitere Gehwege.

Für Natalie Koch, Leiterin der Turmschule, müsste die Stadt vor allem ein Problem schnell angehen: Rechtsabbieger und Fußgänger hätten an drei Kreuzungen an der Schule gleichzeitig Grün. 2016 habe ein Autofahrer eine Schülerin angefahren. Die Grünphasen seien außerdem zu kurz, wenn mehrere Klassen über die Ampeln zum Schwimmunterricht ins Dudobad gehen. Stadtpressesprecher Thomas Blug sagt, das Problem sei bekannt und werde in einer Arbeitsgruppe mit Schule, Verwaltung und Polizei diskutiert. Die Verwaltung hat im Herbst 2016 in Dudweiler 1500 Fragebögen verteilt, 350 kamen zurück. Darin ging es nicht nur um den Schulweg, sondern auch um die Frage, wie gut die Spielplätze im Stadtteil sind. Schulleiterin Koch findet es gut, dass sich die Verwaltung der Schulwege annimmt. Die hat die Bögen nun ausgewertet, sagen Bautz und Christoph Conrad, Leiter des Referats Kinder in der Stadt (KidS). Erste Ergebnisse werden bei einem großen Kinderfest am 6. Mai in Dudweiler Am Anger vorgestellt. 30 Institutionen hätten schon zugesagt, freut sich Conrad.

Kommt jetzt Tempo 30 an allen Saarbrücker Grundschulen? In der Stadt gilt das bereits an einigen Standorten, zum Beispiel an der Ost- und Max-Ophüls-Grundschule. Conrad: "Wir müssen jeden Einzelfall prüfen." An der Turmschule gilt in der Sulzbachtalstraße Tempo 50. In Höhe der Schule stehe ein Hinweisschild, dass hier auch Kinder unterwegs sind. In den anderen Straßen rund um die Schule gilt nach Angaben der Verwaltung bereits Tempo 30.

Eine weitere Idee sind "Elternhaltestellen", die 100 bis 200 Meter von Schulen und Kitas entfernt sind. Dort sollen die Eltern künftig die Kinder rauslassen, statt direkt vor die Schultür zu fahren. Auch der ADAC Saarland ist dafür, diese Haltestellen und mehr Tempo-30-Zonen einzurichten. Bautz hofft, dass nach der Arbeit der AGs schnell die Maßnahmen beginnen. Denn 2018 starten schon die nächsten Schulen und Kitas: die Theodor-Heuss- und Albert-Schweitzer-Grundschulen sowie die Kita Jägersfreude.