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Keine Rache, sondern Versöhnung – Buch über Alex Deutsch vorgestellt

Saarbrücken. Drei Jahre nach dem Tod des Auschwitz-Überlebenden Alex Deutsch hat die Landeszentrale für politische Bildung die vor wenigen Wochen erschienene Deutsch-Biografie von Thomas Döring vorgestellt. caal

"Das, was mir passiert ist, lässt sich nicht in Worte fassen oder begreifen", hat Alex Deutsch häufig in Gesprächen zu Thomas Döring gesagt. Dem Autor ist es dennoch gelungen, die Erlebnisse des im Jahr 2011 verstorbenen jüdischen Holocaust-Überlebenden in einer sensiblen Sprache niederzuschreiben. ". . . um es einfach zu erzählen - Das Leben des Zeitzeugen Alex Deutsch" heißt die vor wenigen Wochen erschienene Biografie, die Döring nun im Rahmen einer Lesung vorstellte. Alex Deutsch wurde 1913 als achtes und jüngstes Kind einer jüdischen Familie in Berlin geboren. Er überlebte verschiedene Konzentrationslager der Nazis, darunter Auschwitz und Buchenwald, sowie den Todesmarsch. Seine erste Ehefrau Thea und Sohn Dennis wurden in Auschwitz vergast.

Nach dem Krieg emigrierte Deutsch in die USA, wo er seinen Beruf als Bäcker wieder aufnahm. Ende der 1970er Jahre kehrte er nach Deutschland zurück und zog nach Neunkirchen-Wiebelskirchen. Dort heiratete er Doris Loeb und widmete fast seine gesamte Zeit der öffentlichen Schilderung seiner Erfahrungen, zum Beispiel bei Schulbesuchen.

Das Erinnern an vergangene Gräuel habe Deutsch starkes Leiden verursacht, erzählte Autor Döring, aber gleichzeitig habe ihm das Erzählen dabei geholfen, sich ein wenig davon zu befreien. Deutsch habe keine Rache üben wollen, sondern stets für Toleranz und Versöhnung geworben.

Damit sei er jedoch nicht nur auf Verständnis gestoßen, erzählte seine Witwe Doris Deutsch, sondern "es kam manchmal zu schlimmen Zwischenfällen, die ihn sehr verletzten, zum Beispiel das Zeigen des Hitlergrußes auf einer seiner Veranstaltungen". Trotzdem ließ sich Deutsch in seiner Arbeit nicht beirren oder einschüchtern. "Alex Deutsch war ein außergewöhnlicher Mensch und wir müssen sein Werk fortführen", sagte Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD). "Wir dürfen niemals zulassen, dass die Erinnerung an den Holocaust verloren geht, oder aufhören, uns gegen den Rechtsextremismus einzusetzen." Die von Döring verfasste Biografie trage zu dieser schwierigen Aufgabe bei.

Thomas Döring: ". . . um es einfach zu erzählen" - Das Leben des Zeitzeugen Alex Deutsch, 218 Seiten, 14,90 Euro, ISBN 978-3-956020-02-5