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Kein zusätzliches Personal für Kitas

Saarbrücken. Ihr Ruf verhallt folgenlos: Forderungen von Personalvertretern kirchlicher Träger und Gewerkschaften finden bei Bildungs- und Sozialministerium kein Gehör. Die Zahl von Erziehern und Integrationshelfern in Kindertagesstätten werde nicht erhöht. Johannes Schleuning

Wenn Erzieherinnen und Erzieher in Kindertagesstätten (Kitas) von ihrem Job sprechen, sind die Aussagen in der Regel immer die gleichen: zu wenig Personal, Arbeitsüberlastung, hoher Krankenstand. Verschlimmert habe sich das Problem zuletzt im August 2013, als Eltern für Kinder ab einem Jahr der Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz gesetzlich zugesichert wurde. Denn das saarländische Bildungsministerium erhöhte dazu die Gruppengröße in Krippen von 10 auf 11 Kinder. Und löste damit nicht nur bei vielen Eltern Proteste aus. In einem Positionspapier forderten Betriebsräte von Kirchen und Gewerkschaften im Herbst vergangenen Jahres unter anderem mehr Personal für Kindertagesstätten sowie angemessene Arbeitsbedingungen. Denn: "Alarmierende Zahlen bei Krankmeldungen des Personals und das erhöhte Auftreten von psychischen Erkrankungen und Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern bis sechs Jahren zeigen die fatalen Folgen einer solchen Bildungspolitik", heißt es in dem Papier.

Das Bildungsministerium sieht jedoch bis heute keinen Handlungsbedarf. Denn die Trägerverbände der Kitas seien "mit der rechtlichen Neufassung einverstanden" gewesen, wie das Ministerium gegenüber der SZ mitteilte. Zudem habe man sich mit den Trägern darauf verständigt, "bis zum 31.12.2018 zu überprüfen, ob diese Gruppenerhöhung unter pädagogischen und Bedarfs-Gesichtspunkten weiterhin angemessen ist". Ferner weist das Ministerium darauf hin, dass die geforderte Aufstockung des Personals in Kinderkrippen auf drei Fachkräfte pro Gruppe bereits praktiziert werde. Allerdings legt das Ministerium hierzu für die Kinder-Fachkräfte-Relation neun Tagesstunden zugrunde, die Forderung der Betriebsräte und Gewerkschaften bezieht sich jedoch auf sechs Stunden. Würde man dieser Forderung entsprechen, so zöge dies im Saarland Mehrkosten von insgesamt rund 60 Millionen Euro jährlich nach sich, rechnet das Ministerium vor. "Bei einem Landesanteil von 29 Prozent würde dies zusätzliche Landesmittel in Höhe von rund 17,4 Millionen Euro pro Jahr erfordern", heißt es. Was so viel heißt wie: Das kann sich das Land nicht leisten.

Als ausreichend erachtet das Ministerium auch das Personal in Kindergärten. Hier sehe der Förderschlüssel 1,9 Fachkräfte für eine Gruppe mit 25 Kindern vor. Die Kirchen-Betriebsräte und Gewerkschaften halten jedoch 2,5 Stellen für notwendig.

Auch die Forderung nach einer besseren Arbeitszeitaufteilung der Erzieher (70 Prozent für die Kinderbetreuung, 30 Prozent für Dokumentationsaufgaben) weist das Ministerium zurück. Derzeit stünden 25 Prozent der Arbeitszeit für die Dokumentation zur Verfügung - und: "In der Praxis hat sich diese Regelung bewährt", so das Ministerium. Zudem werde - wie gefordert - die weitgehende Freistellung eines Leiters bei ein- und zweigruppigen Einrichtungen bereits praktiziert. Maßnahmen zur Gesundheitsvorsorge bei Erziehern, um psychische und physische Belastungen auszugleichen, wie sie ebenfalls gefordert werden, lägen hingegen in der Verantwortung des Einrichtungsträgers.

Dem Ruf nach grundsätzlich mehr Integrationshelfern erteilt schließlich auch das dafür zuständige Sozialministerium eine Absage. "Da alle Fälle vom medizinisch-pädagogischen Dienst genau auf den Bedarf überprüft werden, sehen wir die Helferzahl als ausreichend an", teilt das Ministerium mit. Sofern nach Ansicht des Trägers im Einzelfall mehr Hilfe erforderlich sei, könne diese aber jederzeit beantragt werden.