Kein Lichtermeer in der Eisenbahnstraße?

Bald leuchten wieder zahlreiche Lichter über einigen Straßen der City. Dahinter verbirgt sich das Engagement vieler Saarbrücker Kaufleute. Die in der Eisenbahnstraße haben dieses Jahr aber kein Interesse an einer solchen vorweihnachtlichen Dekoration.

Es sah ein bisschen aus wie ein Lichterregen, der die Gäste der Eisenbahnstraße erwartete: Beleuchtete Ketten waren in der Vergangenheit in der Weihnachtszeit über die Straße gespannt. Eigentlich käme jetzt wieder die Zeit dafür. Doch die Verantwortlichen wollen die Dekoration in diesem Jahr wohl gar nicht erst aus dem Lager holen - wegen der städtischen Dauerbaustelle in der Straße (die SZ berichtete).

Organisiert wurde die Beleuchtung von einer Händlergemeinschaft der Eisenbahnstraße und angrenzender Straßen, der Interessengemeinschaft (IG) Kreativ Alt-Saarbrücken. Ihr gehört die Beleuchtung, sie bat im Vorfeld um Spenden: Lagerung, Montage, Demontage und Strom schlugen jährlich mit bis zu 7000 Euro zu Buche.

"Es ist kein Geschäft mehr bereit, irgendeinen Beitrag zur Weihnachtsbeleuchtung zu leisten. Die sind froh, wenn sie überleben." Das hat Gregor Scherer, Vorsitzender der IG Kreativ Alt-Saarbrücken, an Oberbürgermeisterin Charlotte Britz geschrieben. Er wolle der Stadt die Ketten kostenlos abgeben. "Dann soll diejenige, die die Straße schöner machen will, auch die Beleuchtung besorgen und bezahlen", diese Aussage, so Scherer, habe er mehrfach gehört: "Ich kann nicht dagegen argumentieren, da ich ja auch sehe, wie leidvoll die Umsatzlage geworden ist." Unter anderem schreibt er: "Außerdem macht es ja auch keinen Sinn, die Baustelle zu dekorieren und zu beleuchten." Abgesehen davon fragt er, ob die Dekoration denn überhaupt montiert werden könnte.

Stadtpressesprecher Thomas Blug bestätigte am Freitag auf Anfrage: "Das Schreiben liegt uns erst seit zwei Tagen vor. Wir erörtern die geschilderten Probleme nun mit unseren Fachleuten und werden dann mit dem Beschwerdeführer Kontakt aufnehmen."

Derweil ist andernorts alles wie immer - noch. Nur noch in dieser Saison werden in der Bahnhofstraße Glühlampen an etwa einem Dutzend Stahlkonstruktionen für weihnachtliche Stimmung sorgen, berichtet Max Schoenberg, Vorsitzender des Vereins für Handel und Gewerbe Saarbrücken. 800 Birnen wurden dafür ausgetauscht.

Nächstes Jahr sollen dann LEDs erstrahlen. "Sie verbrauchen deutlich weniger Strom, und die Wartung ist nicht mehr so teuer", sagt Schoenberg. Sein Verein sorgt für die festliche Beleuchtung in der Haupteinkaufsstraße über dem Christkindlmarkt. Dieses Jahr gebe es wieder Motive wie Sterne und Schlitten. Ab 2014 solle eine andere, "dichtere" Präsentation mit Sternen die City in warmes Licht tauchen, sagt er. Die Kosten von 40 000 bis 50 000 Euro werde man "durch die Mitgliedsbeiträge der nächsten zehn Jahre mitfinanzieren."

Überhaupt, das Geld: "Es ist jedes Jahr eine Sisyphusarbeit, das Geld dafür einzutreiben", sagt Schoenberg. Alljährlich bittet er die 134 Mitglieder um Spenden. Das Aufhängen, Pflegen und Betreiben der Lichtbilder kosten schließlich etwa 15 000 bis 20 000 Euro.

Angeschaltet wird die Lichtdekoration übrigens erstmals zum Start des ebenfalls festlich beleuchteten Christkindlmarktes am 25. November, den der Verkehrsverein Saarbrücken veranstaltet.

Auch in der Futter- und in der Sulzbachstraße beginnt dann der vorweihnachtliche Lichterzauber. Der Verein Kaiserviertel organisiert ihn. "Wir beleuchten die Straßen mit einem Lichtervorhang", sagt Dominic Wirtz, der Vorsitzende.

Ein fester Stamm von Händlern investiere jedes Jahr in diese Beleuchtung. Die kostet den Verein alles in allem Wirtz zufolge Eurobeträge "in einem fünfstelligen Bereich". Er sagt weiter: "Das ist ein Aufwand, der aber von der Händlerschaft immer gern bezahlt wird, weil es eine sehr sinnvolle Investition ist."