Katholik, Autofahrer und Kinomuffel

Das Saarland in Zahlen: Das Statistische Jahrbuch birgt so manchen Superlativ. Nicht nur bei der Eigenheimquote und der Vereinsdichte steht das Land an der Spitze aller Bundesländer.

Trotz derzeitigem Flüchtlingszustrom ist die Einwohnerzahl des Saarlandes in den vergangenen fünf Jahrzehnten um die Größe einer Stadt wie Ingolstadt oder Wolfsburg geschrumpft. Waren es 1966 noch 1 132 127 Menschen, die im kleinsten deutschen Flächenland wohnten, so sind es nach letzter Zählung nur noch 995 597, wie aus dem gerade erschienenen Statistischen Jahrbuch Saarland 2015 hervorgeht. Hauptgrund für den wegen der Flüchtlinge inzwischen gestoppten Bevölkerungsschwund ist, dass im Saarland Jahr für Jahr noch immer nahezu doppelt so viele Menschen sterben (2015: 13 427) wie neue geboren werden (7511). Unter allen Saar-Bewohnern zeigen sich die Frauen mit 50,9 Prozent Anteil als das eigentlich starke Geschlecht, doch werden in den Kliniken inzwischen gut zehn Prozent mehr Knaben als Mädchen geboren.

Einen kleinen Einblick, wie der Saarländer lebt und tickt, gibt das 294-seitige Zahlenwerk der Statistiker auch: Knapp zwei Drittel der Saar-Bewohner sind katholisch, ein Fünftel evangelisch und jeder Siebte gehört gar keiner Religion an. Mit dem Anteil an Autofahrern (615 611 zugelassene Pkws), Katholiken , der Eigenheimquote und der Vereinsdichte steht das Saarland an der Spitze aller Bundesländer. So zählen alleine die 2660 Sportvereine im Land 372 791 Mitglieder - an der Spitze Fußball, Turnen und Kneippvereine. Etwa ebenso viele Saarländer sind Pflichtmitglied bei der Arbeitskammer, 160 494 Mitglied in einer DGB- oder Christlichen Gewerkschaft. Auch die Gewerkschaftsdichte ist somit traditionsgemäß Spitze in Deutschland.

Auch Alltagsverhalten, Freizeit und Kultur spiegeln sich etwas im Zahlenwerk der Statistiker wider. So geht trotz heimischem Max-Ophüls-Festival als Aushängeschild jeder Saarländer nur 1,4 mal pro Jahr ins Kino und verbraucht jeden Tag 164,4 Liter Wasser. Das ist deutlich mehr Wasser als der Pro-Kopf-Verbrauch an Bier pro Jahr, der sich im Ländervergleich dennoch sehen lassen kann. In die Theater im Land strömen rund 235 000 Besucher pro Jahr, etwa doppelt so viele fliegen ab Saarbrücken-Ensheim in den Urlaub oder auf Geschäftsreise.

109 524 Menschen im Saarland sind schwerbehindert. Bemerkenswert hoch war die Zahl von 258 Zwillings- und 12 Drillingsgeburten im Saarland im Jahr 2015. Etwa jede zweite Woche hat es einen Fall von Mord oder Totschlag im Land gegeben. Und die gute Nachricht: Nahezu jedes dieser Gewaltverbrechen wird von der Polizei aufgeklärt.