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Kassen werben stärker fürs Impfen

Saarbrücken. Schulanfänger im Saarland sind weniger geimpft als die ABC-Schützen im Bundesdurchschnitt. Das meldet die Techniker Krankenkasse (TK) im Saarland. Sie beruft sich dabei auf die Studie des Robert-Koch-Instituts zu den Schuleingangsuntersuchungen (wir berichteten) Von SZ-Mitarbeiterin Sarah Tschanun

Saarbrücken. Schulanfänger im Saarland sind weniger geimpft als die ABC-Schützen im Bundesdurchschnitt. Das meldet die Techniker Krankenkasse (TK) im Saarland. Sie beruft sich dabei auf die Studie des Robert-Koch-Instituts zu den Schuleingangsuntersuchungen (wir berichteten). "Zwar liegt das Saarland bei der Masern-Mumps-Röteln-Impfung mit 94 Prozent geimpfter Kinder im Bundesdurchschnitt, doch im Bezug auf Tetanus und Diphterie hinkt es mit 94 Prozent einem deutschlandweiten Schnitt von 98 Prozent hinterher", erklärte Thomas Jochum, TK-Sprecher, der SZ. "Trotz relativ hoher Impf-Zahlen planen wir Informationsaktionen, denn auch scheinbar harmlose Krankheiten wie Masern, Mumps und Röteln können schwerwiegende Folgen haben", so Jochum weiter.



Die gesetzlichen Krankenkassen sind dazu verpflichtet, alle Impfungen zu bezahlen, die von der Ständigen Impfkommission, einer Einrichtung des Robert-Koch-Institutes, empfohlen und vom Gemeinsamen Bundesausschuss bestätigt werden. Eine Geldfrage ist für Eltern die Entscheidung für oder gegen eine Impfung also nicht.

Dr. Annerose Quinten, Pressesprecherin des Kinder- und Jugendarztverbandes im Saarland, kann auf 20 Jahre Erfahrung mit Impfungen zurückschauen: "Grundsätzlich kommt es in meiner Praxis sehr selten vor, dass sich Eltern bewusst gegen eine Impfung entscheiden. Viel häufiger wird es einfach vergessen, oder als nicht so wichtig angesehen. Dadurch, dass wir impfen, sieht man viel weniger an Diphterie oder Tetanus erkrankte Menschen. Deshalb rückt die Angst vor diesen Krankheiten in den Hintergrund und viele werden nachlässig." Bisher hat die Kinderärztin bei keiner Diphterie-, Polio- und Tetanusimpfungen schwere Nebenwirkungen erlebt, genauso wenig bei der Dreierimpfung Maser-Mumps-Röteln (MMR-Impfung). "Natürlich gibt es die so genannten schweren Nebenwirkungen, wie Hirnhautentzündung oder allergische Reaktionen. Doch im Vergleich würden viel mehr Kinder an der Krankheit selbst sterben, wenn man sie nicht impfen würde", so Quinten.

Auch die AOK bestätigt dies mit ihrer Infobroschüre zur MMR-Impfung. Die beschreibt, dass von einer Million masernkranker Kinder bis zu 400 bleibende Hirnschäden bekommen und sogar 333 Erkrankte daran sterben können. Bei einer Million geimpfter Kinder kommt es dagegen neben den ungefährlichen, möglichen Lokalreaktionen wie leichten Schwellungen an der Injektionsstelle, zu durchschnittlich einer Hirnhautentzündung und einer allergischen Reaktion. "Man muss sich als Arzt die Zeit nehmen Eltern über die Risiken einer solchen, oft als harmlos angesehenen Krankheit aufzuklären. Meiner Meinung nach ist auch mangelnde Aufklärung ein Grund für Eltern, ihre Kinder nicht impfen zu lassen", vermutet Quinten.

Um der Impfmüdigkeit entgegenzuwirken, engagiert sich auch die Barmer Ersatzkasse mit einem Programm, das Versicherte mit Prämien belohnt.

Meinung

Impfschutz ganz ohne Ideologie

Von SZ-Redakteur

Dietmar Klostermann

Immer wieder tauchen Meldungen auf, dass an bestimmten Schulen Masern-Epidemien ausgebrochen sind. Häufig handelt es sich dabei um Kinder impfkritischer Eltern. Manche dieser Eltern haben zuvor abgewogen, was belastender ist: Ihre Kinder impfen zu lassen und Nebenwirkungen in Kauf zu nehmen. Oder das Risiko einer Ansteckung einzugehen. Fast ein Lotteriespiel. Denn die Wahrscheinlichkeit, ernsthaft zu erkranken, liegt nach Angaben der Kinderärzte bei den nicht Geimpften höher. Dennoch wäre es infam, den Impfgegnern Kindsgefährdung zu unterstellen. Gerade Impfkritiker machen sich intensiv Gedanken um das Wohl ihrer Kinder. Sie mit Argumenten zu überzeugen, bleibt Aufgabe der Kinderärzte.