Kapelle mit Aufzug – wo gibt's das schon?

Auf dem früheren Wohngelände der Röchling-Familie verriet bisher nur das spitze Türmchen, das über hohe Mauern und dichtes Laub lugte, dass dort eine Kirche steht. Erstmals wurde sie für Besucher geöffnet.

Gute Idee, die bisher nie zugängliche Röchling-Grablege auf dem Triller in Alt-Saarbrücken als zentralen Punkt für den gestrigen "Tag des offenen Denkmals" auszuwählen. Dass dort, auf dem früheren Wohngelände der Röchling-Familie, ein Kirchlein steht, verriet bisher nur das spitze Türmchen, das über hohe Mauern und dichtes Laub ragte. Rein durfte man eh nie.

Jetzt haben die Saarländer in Scharen die einmalige Chance genutzt, das frisch sanierte Bauwerkchen zu besichtigen, das - abgesehen vom "Kutscherhaus" - der letzte Rest der riesigen Röchling'schen Wohnanlage auf dem Triller ist.

Hans Mildenberger vom Stadtplanungsamt und Architekt Markus Hollenbach erzählten, erklärten und führten. Schön ist das kleine Bauwerk, in den Jahren 1907/1908 errichtet im damals beliebten neoromanischen Stil. Und drinnen - da standen die Besucher verblüfft vor einer absoluten Besonderheit, einer großen Bodenöffnung vorm Altar - mit Aufzug.

Mit seiner Hilfe wurden früher die Särge nach der Aussegnung hinabtransportiert in die wahrhaft tiefe Gruft. Über die engen Wendeltreppen wäre das nicht gegangen. Heute wird der Aufzug freilich nicht mehr gebraucht. Schon lange finden dort nur noch Urnenbestattungen statt. 22 Röchling-Familienmitglieder haben hier ihre letzte Ruhestätte. In einem abgeteilten Raum fanden die Besucher die Grabstätten der Erbauer der Gruft, Carl und Alwine Röchling, und ihrer Nachkommen - 14 Kinder hatte das Paar. Die hier jetzt abgeschlossene Sanierung ist schon die zweite in den letzten Jahren.

Die Feuchtigkeit im Gelände hat in dem tief in die Erde reichenden Gebäude viel zerstört. Die 1990 gegründete Röchling-Stiftung war maßgeblich an der Sanierung beteiligt. Sie arbeitete zusammen mit dem Landesdenkmalamt und dem Architekten Markus Hollenbach.

Geöffnet waren gestern Kleinode wie die alt-katholische Friedenskirche (links: Pfarrer Oliver van Meeren), die Wintringer Kapelle bei Kleinblittersdorf und das Alte Bauernhaus in Auersmacher.

Die Besucher erfuhren mit Hilfe einer Dia-Show auch, wie das Schlösschen der Röchlings aussah, von dem es außer dem Kutscherhaus keine Spuren mehr gibt. Wer's noch nicht wusste, erfuhr, dass Carl und Alwine geb. Vopelius vor ihrem Umzug auf den Triller natürlich nicht bei ihrer "Hütt" im damals verrußten Völklingen gewohnt hatten, sondern in der Wilhelm-Heinrich-Straße in Saarbrücken . Und dass Carl Röchling schon an die 70 war, als er sein Schlösschen bauen ließ. Und bald danach eben auch seine Famliengruft - nicht weit vom Wohnhaus entfernt.