Kampf um neue Retter läuft

Die sinkende Zahl junger Leute zwingt zum Umbau der Feuerwehr. Damit sie morgen noch löschen, bergen und retten kann, denkt sie über die Gemeindegrenzen hinweg. Beim Kauf von Ausrüstung ebenso wie beim Verteilen von Aufgaben. Denn daran hängen Menschenleben.

Es ist knallheiß an diesem Sommersamstag, ideal zum Grillen, während auf dem Tisch das Glas mit dem kalten Weißwein beschlägt. Die Feuerwehrleute schieben solche Gedanken weg bei der Jahreshauptübung des Löschabschnitts Ost in Schafbrücke. Die Vorgaben: Aus einem Keller lodern Flammen. Menschen haben sich vor dem Qualm auf einen Balkon im ersten Stock gerettet. Löschfahrzeuge nehmen die Positionen ein. Wehrleute schleppen Ausrüstung ins Haus. Und das, während der Verkehr auf der Kaiserstraße, Schafbrückes Hauptverkehrsader, unfallfrei am Einsatzort vorbeifließen muss. Selbst dann, als ein Hydrantendeckel klemmt und alles Wasser von einem weiter entfernten Hydranten unter einer Schlauchbrücke hindurch zum Ziel rauschen muss. Am Ende ist alles gut. Zeit zum Aufatmen.

Tony Bender, Brandinspekteur im Regionalverband , weiß, warum Männer und Frauen samstags erst in die Rettermontur schlüpfen: Sie tun es wegen des unbeschreiblich guten Gefühls, für andere eine Herausforderung gemeistert zu haben. Dafür brauchen Bender und die anderen Feuerwehr-Entscheider immer genug Leute. Jahr für Jahr, Tag für Tag.

Elf Balken zeigen, wie groß diese Herausforderung ist. Sie stehen für die Zahl der aktiven Löschbezirksmitglieder im Regionalverband einschließlich der Berufsfeuerwehrleute . Seit 2004 beschreiben die Balken, miteinander verbunden, einen sanften Bogen. Sie steigen von 2333 bis auf 2495 im Jahr 2009. Seither sinken die Zahlen, abgesehen von einem winzigen Aufwärtsschlenker 2011, langsam, aber stetig. 2352 Feuerwehr-Angehörige gab es 2014 im Regionalverband .

Für Bender ist das ein Grund mehr, auf eine weitere Grafik zu schauen: die mit der Zahl der Jugendfeuerwehrleute im Regionalverband . Sie geht seit Jahren nur in eine Richtung: nach oben. 2012 gab es 675 Nachwuchskräfte, ein Jahr später 692 und 2014 bereiteten sich 701 Kinder und Jugendliche auf das Ehrenamt vor.

Das ist gut, muss doch, wer morgen löschen, bergen, retten will, Jahre vorher für dieses Ehrenamt begeistert werden, sich im Löschbezirk und an der Landesfeuerwehrschule ausbilden lassen und dann nie mit dem Dazulernen aufhören.

Inzwischen gibt es spannende Versuche, die noch Jüngeren zu gewinnen, bevor die Konkurrenz, seien es Vereine oder andere Hilfsorganisationen, zum Zuge kommt.

In Friedrichsthal und Riegelsberg gehen der Jugendfeuerwehr Vorbereitungsgruppen voraus, die schon Sechsjährige begeistern sollen. 29 Kinder machen mit, davon fünf Mädchen. Sollten sie dabeibleiben, haben sie mit 16 so viel gelernt, dass sie in die echte Wehr einsteigen dürfen. Voll einsatzfähig, weil für Einsätze unter Atemschutz zugelassen, sind sie mit 18 Jahren.

Dann bleiben sie im Training bis zum Ende ihrer Ehrenamtskarriere. Eines der besten Argumente für die Feuerwehr, wie Bender findet. "Unsere Leute sind topfit, treffen gern Entscheidungen und tun das mit einem technischen Wissen, das sie immer auf dem neusten Stand halten." Längst ist die freiwillige Feuerwehr eine Truppe aus Experten und Alleskönnern, deren Hauptaufgabe nicht das Löschen von Bränden ist. Sie bergen Unfallopfer mit superstarken hydraulischen Spreizern und Scheren aus Blechklumpen, die mal Autos waren. Sie öffnen Türen, holen Schwerkranke auf Drehleitern aus hohen Häusern, beseitigen Giftstoffe, bevor sie Luft und Wasser verpesten, fangen ausgebüxte Tiere, ehe sie unter die Räder geraten. Bender weiß: Wer geistig und körperlich so viel bietet wie Feuerwehrleute , ist für jeden Betrieb ein Gewinn.

"Außerdem erübrigt sich die Ausbildung eines Ersthelfers oder eines Brandschutzbeauftragten. Das alles können unsere Leute ja schon." Ein weiteres Argument für Feuerwehrleute im Betrieb. Doch die Freistellung der Ehrenamtlichen während der Einsätze ist nicht leichter geworden.

Weil das die Zuwachschancen schmälert, müssen die Aufgaben in Zukunft anders verteilt werden. Nur dann ist alles noch zu schultern. Das Projekt 2020 soll Wege in diese Feuerwehrzukunft weisen.

Bender leitet darin den Arbeitskreis 1. Dieser lotet die Bereitschaft der Wehren aus, über Stadt- und Gemeindegrenzen hinweg zusammenzuarbeiten und Ausrüstung gemeinsam anzuschaffen. Und diese Bereitschaft ist groß.

Gibt es zum Beispiel künftig zentrale Wartungswerkstätten für Atemschutzgeräte, hilft es den Ehrenamtlichen, die das heute in ihren Kommunen machen müssen. Zu tun haben sie viel, selbst nach Übungen. "Sobald ein Lungenautomat eingeschaltet war, muss ihn der Gerätewart desinfizieren", sagt Bender. Schließlich dürfen im Gerät keine Keime auf den nächsten Träger lauern.

Also geht es darum, Ehrenamtliche von Verantwortung zu entlasten. Sind solche Arbeiten künftig Sache großer Werkstätten, dann erledigen Hauptamtliche sie. Das würde der Basis mehr Zeit fürs Helfen verschaffen. Gerade wenn es deutlich weniger Retter gibt als heute.

Zum Thema:

StichwortDie Feuerwehr Saarbrücken hat drei Säulen. Eine ist die Berufsfeuerwehr mit 189 Einsatzbeamten, davon drei Frauen. Es gibt zwei Wachen, eine am Hessenweg in St. Johann, die andere in der Weißenburger Straße (Burbach). Die Leitstelle alarmiert alle Feuerwehr- und Katastrophenschutzeinheiten im Regionalverband . Die Höhenretter sind fürs halbe Land zuständig. Die Taucher helfen auf Anfrage im ganzen Land. Die Freiwillige Feuerwehr, geleitet von Markus Rosenberger, hat 760 Mitglieder, verteilt auf 17 Löschbezirke. Sie rücken in vielen Fällen mit der Berufsfeuerwehr aus. Die Jugendfeuerwehr hat rund 300 Mitglieder mit speziell ausgebildeten Betreuern. ole