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Kampf gegen Schwarzfahrer

Saarbrücken. Sie sollten den Busfahrern die Arbeit erleichtern: die elektronischen Fahrkarten-Lesegeräte. Im November 2005 baute das Saarbrücker Verkehrsunternehmen Saarbahn & Bus die Geräte erst testweise in zehn, dann in alle 115 Busse ein. Beim Einstieg mussten Jahreskarteninhaber ihre Karte nicht mehr dem Fahrer zeigen, sondern sie an einen Sensor halten Von SZ-Redaktionsmitglied Fabian Bosse

Saarbrücken. Sie sollten den Busfahrern die Arbeit erleichtern: die elektronischen Fahrkarten-Lesegeräte. Im November 2005 baute das Saarbrücker Verkehrsunternehmen Saarbahn & Bus die Geräte erst testweise in zehn, dann in alle 115 Busse ein. Beim Einstieg mussten Jahreskarteninhaber ihre Karte nicht mehr dem Fahrer zeigen, sondern sie an einen Sensor halten. Ein eingebauter Chip in der Karte sollte dem Busfahrer anzeigen, ob die Karte gesperrt ist oder die Person eine falsche Karte besitzt.



Doch das System funktionierte nicht wie geplant. Gültige Karten wurden in 20 Prozent der Fälle dem Fahrer als nicht lesbar angezeigt.

"Anfang dieses Jahres konnte das Problem behoben werden", sagt Arne Frankenberger, Vertriebsleiter bei Saarbahn & Bus. Trotzdem ist das System nicht aktiviert. Frankenberg erklärt, warum das so ist: "Das Gerät ist Teil eines Zukunftsprojekts. Es soll in ein paar Jahren möglich sein, mit ein und derselben Karte in Saarbrücken, Berlin oder München zu fahren. Anhand der Kartendaten wird dann eine Rechnung zugesandt oder vom Konto abgebucht." Das ist allerdings noch Zukunftsmusik.

Ende Oktober sollen die Lesegeräte nach einer Aktualisierung wieder aktiviert werden, und rund 20 200 Jahreskarteninhaber bekommen bis dahin neue Karten zugesandt. Funktioniert das Kartenlesesystem, sollen auch Monatskarten auf diese Weise kontrolliert werden, sagt Unternehmenssprecherin Christa Horn.

Die Anschaffung der Lesegeräte für Busse und Kontrolleure hat rund 130 000 Euro gekostet. Knapp die Hälfte des Betrages wurde wegen der Mängel bisher zurückgehalten. Funktioniert alles, werde der Rest an den Hersteller überwiesen, sagt Frankenberger.

Die Einführung der elektronischen Lesegeräte wurde notwendig, "weil immer häufiger mit den Jahreskarten betrogen wurde", erklärt Christa Horn. Karten würden weitergereicht oder Abos nicht bezahlt. Die Listen mit gesperrten Karten seien lang. Der Busfahrer habe keine Chance zu prüfen, ob ein Fahrgast auf einer dieser Listen vermerkt ist. Da sollte das Lesegerät helfen.

Auf dem Chip in der Karte ist gespeichert, ob diese gesperrt ist, welches Geschlecht der Karteninhaber hat, wenn die Karte nicht übertragbar ist, und für welchen Tarifbereich die Karte gilt. Bei Schülerkarten ist ersichtlich, wie alt der Inhaber ist.

Für die Saarbahn-Züge ist das System ungeeignet, da dort überall eingestiegen werden kann. Daher sind dort verstärkt Kontrolleure mit mobilen Lesegeräten im Einsatz.

Voriges Jahr erwischten sie 8038 Schwarzfahrer. Diese mussten ein "erhöhtes Beförderungsentgelt" von 40 Euro bezahlen.